Stachelhalsband – muss ich das verstehen?

Heute muss ich Frust ablassen. Ich komme gerade von unserem örtlichen Hundeübungsplatz. Dort arbeitete ein sympathischer junger Mann mit einer schnittigen Schäferhündin, die aufs Wort folgte. Als er fertig war und vom Platz kam, bat ich ihn etwas fragen zu dürfen. Ebenso freundlich war er gerne zu antworten bereit, bis meine Frage kam. WARUM FÜHREN SIE IHRE HÜNDIN AM STACHELHALSBAND? (Sie hatte ebenfalls eine Gliederkette um).
Sachkundig antwortete er, weil er sie damit besser unter Kontrolle habe. Man muss dann nicht so heftig an der Gliederkette zerren, und zeigte mir, wo das eine und das andere Band am Hals sitzt…. inzwischen war ich übergekocht: “Sie haben also keine Kontrolle über Ihren Hund? Jeder Dumme muss seinen Hund an er Leine führen können! Und Sie brauchen bei einem ausgebildeten erwachsenen Schäferhund ein Stachelband, um ihn zu kontrollieren?” Da war er dann auch nicht mehr so freundlich. Sie sei ja auch noch nicht fertig. Aber ich ließ natürlich nicht locker: “Also außerhalb des Platzes können Sie Ihren Hund nur mit Stachel kontrollieren? Muss ich das verstehen…???” Seine Antwort: “Nein, das müssen Sie nicht.” Und ab zog er offensichtlich ebenso wütend wie ich.
Was sind das für Hundeausbilder und Halter, die offen zugeben, dass sie keine Kontrolle über den Hund haben – ohne Stachelband? Ich würde mich schämen, so etwas jemals laut zu zuzugeben, selbst wenn es so wäre….
Dass das Stachelband zur Korrektur bei den Übungen eingesetzt wird, weiß ich wohl, auch wenn es mir nicht gefällt. Aber dieser Hund wurde nach getaner Arbeit am Stachelband vom Platz geführt. Die Hündin war übrigens sehr viel souveräner als ihr Herrchen, sie lief freudig an lockerer Leine….
Ich habe es mir erspart ihm zu sagen, dass ich vor 40 Jahren schon auf diesem Platz Hunde geführt habe…. er hätte mich ohnehin nicht ernst genommen….

2 Kommentare

  1. Vielen Dank Herr Gemeiner für diesen Beitrag. Das nächste Mal habe ich eine handfeste Argumentationshilfe! Abbringen wird man diese Menschen sicher nicht, dann tragen die Hunde auf einmal alle Halstuch….

  2. Zum Thema Hundeerziehung mit Stachelhalsband sei hinzugefügt ein Urteil des Oberlandesgerichts Hamm zum Thema:

    “Strafrechtliche Grenzen der Hundeabrichtung”

    Auszug aus der Urteilsbegründung (Zitat:)

    „Abgesehen davon ist angesichts des Verbots nach § 3 Nr.4 TierSchG die Verwendung eines Stachelhalsbandes mit nach innen gewendeten Stacheln und obendrein verkürzter Schlaufe schon für sich allein genommen ein Mittel, das mit der Einführung des Tierschutzgesetzes in der geltenden Fassung als Abrichtungsmittel für Hunde schlechterdings nicht mehr hingenommen werden kann (vgl. BT-Dr VI 3556; Lorz, BT-Dr § 3 Rdnr.34).“

    OLG Hamm, Urteil vom 27.02.1985 – 4 St 16/85

    Damit schließt sich der Kreis zwischen einer eher allgemeinen, im Einzelfall auslegungsbedürftigen Vorschrift im Tierschutzgesetz der Bundesrepublik Deutschland und einer klaren Definition durch ein deutsches Oberlandesgericht:

    Stachelhalsbänder sind als Mittel der Hundeerziehung verboten!

    Erst recht gilt dieses Verbot für den Bereich der “privaten” Hundeerziehung, wenn unerfahrene und uneinsichtige Hundebesitzer glauben, ihren Vierbeiner nur durch schmerzhafte Methoden an unerwünschten Handlungen hindern zu können. Alle hierdurch ent-standenen “Erfolge” sind trügerisch und können fatale Fehlreaktionen des Hundes auslösen – die dann wiederum mit den vorgenannten Methoden “bekämpft” werden.

    Ein “Fehlverhalten” des Hundes gibt es nicht (korrekt wäre: unerwünschte Handlung aus Sicht des Menschen). Alle angeblich “falschen” Reaktionen eines Hundes sind direkte Auswirkungen einer falschen (wenn auch gutgemeinten) Erziehung und Kommunikationsproblemen seines Besitzers.

    Dazu ein Originalzitat des international anerkannten Hundetrainers und -Experten Hans Schlegel (Schweiz) aus einem Schulungsvideo:

    “Oberste Priorität ist die Schulung des Halters! 80% investiere ich
    in die Schulung des Hundehaltes und nur 20% ins Hundetraining.”

    Bleibt nur noch die Frage: Wer ist hier eigentlich der Intelligentere – Hund oder Besitzer?

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