Herzensballade

Herzensballade

Wir alle können unendliche Storys über Tierärzte erzählen, gute und schlechte. Inzwischen gibt es auch Literatur über die geschäftliche Durchtriebenheit der Tierärzte, aber denen stehe ich sehr kritisch gegenüber. Meine Tierärztin sagte mir einmal, wenn ich jemandem sage sein Hund ist gesund, dann kommt nie wieder… er sucht sich einen Tierarzt, der endlich bestätigt, wie krank sein Hund ist. Manche Leute scheinen wirklich vom Pech verfolgt – wie krank sind unsere Hunde wirklich?

Nikki am 21.3.11 in voller Aktion
Nikki am 21.3.11 in voller Aktion

Da ich von Krankheiten nicht viel halte und auch nicht bereit bin mich intensiv damit zu beschäftigen – das gilt für mich genau so wie für meine Hunde – folge ich gerne der Lehre, dass man seinen Körper unterstützen sollte, sich selbst fit zu halten. Ich halte nichts von Symptombekämpfung – auf der anderen Seite – wenn ich den Rat eines Arztes einhole, muss ich ihm vertrauen, sonst brauche ich ja nicht erst hinzugehen… Sehr entgegen kommt mir die ganzheitliche Denkweise der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und die Erklärungsversuche meiner Ärzte leuchten mir ein, auch wenn ich nicht alles verstehe und mich nicht weiter vertiefe. Inzwischen bin ich so weit, dass ich um alle Schulmediziner einen weiten Bogen mache. Es gib aber auch welche, die sich mit der ganzheitlichen Betrachtung beschäftigen, und das sind mir die liebsten. Denn ich bin mir natürlich im Klaren, dass die Schulmedizin unverzichtbar ist.

Mit meinen persönlichen Erfahrungen möchte ich Sie verschonen, aber die ich mit Nikki machen musste, sind vielleicht der Erwähnung wert. Nikki ist ein Whippet, geboren 1999. Er war stets kerngesund, keine Erkrankungen irgendwelcher Art. Aber eines machte uns zu schaffen: Seine Verletzlichkeit. Jede unwirsche Begegnung mit Artgenossen führte zu Verletzungen seiner dünnen Haut mit schwerwiegenden Folgen aufgrund meiner Unerfahrenheit.

Seit 2008 befindet sich Nikki in regelmäßiger Behandlung von Tierarzt Backhaus in Longuich.

Bei jedem TA-Besuch wurde das Herz abgehört. Vor Ort habe ich eine sehr nette Tierärztin für die Notfälle und weil mir Trier doch für mal so eben zu weit ist, suchte ich einen wärmstens empfohlenen ganzheitlich denkenden TCM-TA in der Nähe auf, wenn ich dafür einen Anlass sah.

Anlässlich eines Besuches bei meinem TCM-TA bekam Nikki mehrere Nadeln gesetzt, u.a. wurde er auf dem Rücken an der Hüfte gemoxt. Er ist hysterisch beim TA, und hier war er total aus dem Häuschen. Als er nach einer Stunde Zittern auf dem Tisch fertig war, fiel mir ein, dass wir ja das Herz noch einmal abhören könnten. Nun brach ein Szenario los: Ach du liebe Zeit kein Wunder, dass nichts anschlägt, dieses Herz! Vollkommen kaputt, die Klappen undicht, er muss sein Leben lang Medikamente nehmen, im nächsten schwülen Sommer fällt er tot um… Meine Freundin saß im Wartezimmer und kann meinen Zustand bestätigen… mein zaghafter Einwurf, ob der Stress nicht das Bild verfälsche wurde zur Seite gewischt. Er bekam eine Pille verabreicht und ich eine Packung Vetmedin in die Hand, das muss er jetzt für den Rest seines Lebens täglich einnehmen. Ein paar Tage später sah ich die dicke Brandblase an der gemoxten Stelle, das macht mich heute noch wütend! Der Hund hat zwar Panik gezeigt, sich angesichts dieser Schmerzen noch vorbildlich verhalten!

Aber da ich ja nun mal bin wie ich bin, habe ich natürlich nichts verabreicht sondern Nikkis Züchter angerufen. Und hier zeigt es sich wieder mal, dass ein Rassehund einen riesen Vorteil hat, wenn man ihn vernünftig aussucht: Einen Züchter, an den man sich vertrauensvoll wenden kann. “Meiner” hatte Tiermedizin studiert und als TA gearbeitet, doch praktiziert nicht mehr. Aber seit 25 Jahren mit Windhunden vertraut lachte er nur: Das sagen alle, keine Sorge. Der hat nichts am Herz – sofern er keine Symptome zeigt. Tat er nicht. Undichte Herzklappen seien bei älteren Hunden normal und die meisten werden damit uralt ohne Probleme. Gut, das war was ich hören wollte. Und beim nächsten Besuch wurde er abgehört. Kein Grund zur Sorge!

Aber da ich ja nun mal bin wer ich bin, machte ich sofort einen Termin zu einer Ultraschalluntersuchung, ich wollte es genau wissen. Und ich nahm das Vetmedin mit, dessen Nebenwirkungen ich mir im Internet besorgt hatte, da ein Beipackzettel fehlte. Nikkis Herz ist vollkommen normal. Etwas verhärtete Ränder der Herzklappen, die in seine Gesamtkonstitution passten, aber kein Grund zur Sorge und Vetmedin war für ihn in dieser Zeit nicht anzuraten und ich habe gut daran getan, es nicht zu geben. Mir wurde ausführlich erklärt warum in diesem bestimmten Fall und mir zittern noch die Knie bei dem Gedanken, dass ich meinen Hund hätte umbringen können, wäre ich blindlings gefolgt.

2010 kam Nikkis Krebsdiagnose: Fibrosarkom an altem Hundebiss… Anfang 2011 beobachtete ich heftiges Atmen in der Nacht, der Brustkorb bebte. Aber sonst was alles OK. Im Januar schließlich fing Nik an zu husten, erst ab und an mal ganz zaghaft, dann heftiger und im Februar schließlich stand er die ganze Nacht auf gespreizten Beinen und rang nach Luft, jeder Atemzug rasselte, im Liegen bekam er keine Luft. Legte er sich todmüde ins Bett, musste er wieder auf. Natürlich mitten in der Nacht, die Attacke begann so gegen halb neun. Dann beruhigte er sich und schlief tief und fest.

Am anderen Tag – natürlich Freitagnacht, das gleiche. Glatteis vor der Tür, irgendwohin zu fahren gänzlich ausgeschlossen. Es war der totale Horror – aber nach ein paar Stunden erholte er sich wieder.

Schließlich fand ich einen TA in der Umgebung, ebenfalls TCM-orientiert. Am Samstagmorgen führte ich ihm Nikki sofort vor. Er horchte als erstes das Herz ab und triumphierte: Das Herz, kein Wunder! Vollkommen kaputt! Viel zu groß! Da hilft auch kein Crataegus mehr, lebenslang Medikamente, sonst kommt es zu Kammerflimmern und das wars dann… der hat nichts an der Lunge! Ich war wieder vollkommen fertig, aber ich bekam das EKG mit, anhand der Zacken waer meinem Laienauge der Zustand dargelegt worden. Eindeutig! Ich erklärte ihm die bisherige Herzgeschichte und dass er kein Vetmedin bekommen dürfe, aber er war sehr selbstsicher und gab etwas anderes mit. Das ich natürlich nicht verabreichte.

Dafür mailte ich sofort das EKG an den Züchter und siehe da, er hatte sehr viel Erfahrung mit EKGs und konnte nichts Ungewöhnliches entdecken. Das bekannte alte Leiden. Ein wenig undichte Herzklappen, möglicherweise ein etwas größeres Herz wie für Windhunde üblich. Windhundebesitzer kennen diese Probleme mit den Tierärzten…

Ich machte einen Termin bei Backhaus, aber wegen des Wetters musste ich ihn verschieben. Und wieder ein panisches Wochenende – das gleiche, ab abends halb neun Atemnot, Rasseln in der Lunge. Ich erreichte noch den Notarzt eines hiesigen TA, der auch die Hoden-OP durchgeführt hatte. Abhören: Ach Gott, die Lunge ist voll Wasser, das Herz rast. Sie hörte sich aber meine Geschichte an und meinte, wenn ich verspreche, sofort zu Backhaus zu fahren, schlägt sie Entwässerungstabletten nach einer Spritze vor und Antibiotika, die Furcht wegen des Krebses teilte sie, aber das Wasser in der Lunge sei ein idealer Nährboden für Keime und ich könnte mir seine Todesursache aussuchen… aber für eine nähere Diagnose müsste sie eine Reihe von Untersuchungen durchführen, was unsinnig wäre, wenn sie bei Backhaus vorliegen. Am nächsten Tag flog ich gen Trier…

Ultraschall, Röntgen, Blut – das volle Programm – das Herz ist vollkommen in Ordnung, auch fast normale Größe. Das Problem liegt in der Lunge. Deutlich zeigten die Aufnahmen “etwas” in der Lunge… Metastasen?? Wir wissen es nicht.

Fazit: Bis heute hat Nikki KEINE Herzprobleme, er bekommt gar nichts für das Herz und ist so fröhlich wie lange nicht. Das Husten haben wir mit den Entwässerungstabletten im Griff und wie es scheint, befindet sich das “Etwas” in positiver Veränderung…

Die Geschichte zu den diversen Lahmheiten folgt…

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