Herkunft & Verwendung

Herkunft & Verwendung – Der Bearded Collie

 

Zotthaarige Hütehunde findet man im Osten, Nordwesten und Südwesten Europas. Ihre Verbreitung hängt sicher mit der der Schafe zusammen. Das Schaf ist das älteste Haustier des Menschen und geht auf die Domestikation des Wildschafes zurück. Nach bisherigen Funden kommen sie wie so vieles unserer Kultur aus Mesopothamien. Von dort aus verbreiteten sie sich nach Afrika und Europa. Die ersten Hausschafe kamen um 7.000 v. Chr. nach Süd-und Südosteuropa und waren als Fleischlieferanten das wichtigste Haustier. Später kamen über Griechenland die sog. Wollschafe nach Mittel-und Westeuropa bis Südskandinavien. Wie man anhand von Funden alter Kleidungsstücke weiß, wurde schon im 2. Jahrtausend v. Chr. die Wolle zur bevorzugten Textilfaser.

 

Die Römer nutzten die Schafe für Wolle und Milchprodukte. Mit den Römern wanderten sie in die Provinzen und befruchteten dort die Schafzucht weg vom Fleisch- hin zum Wollschaf.

Eine Blüte erlebte die von den Römern eingeführte Schafzucht in England, wo schon im 3. und 4. Jahrhundert misch-bis feinwollige farblose Wolle erzeugt wurde. Das war die Grundlage der Wollproduktion in England und brachte dem Land schon im Mittelalter mit seiner berühmten Woll-und Tucherzeugung Reichtum und Macht.

Die Revolution der modernen Schafzucht ging jedoch von Spanien aus. Dorthin waren die ersten feinwolligen Schafe mit den Römern und Phöniziern gelangt. Später intensivierten die Mauren, die Eroberer aus Nordafrika, die Schafzucht. Im 12. Jahrhundert gaben die Berberschafe neue Impulse, denn ihre Wolle war von unerreicht feiner Qualität. In Spanien entstand so das weltberühmte Merinoschaf, benannt nach dem Berberstamm Beri-Merines in Nordafrika. Die Ausfuhr der Schafe war bei Todesstrafe verboten, und so hielten die Spanier Jahrhunderte lang das Monopol über hochwertige Wolle.

Feine Schafwolle wurde nur in England und Spanien produziert. Dabei gibt es die nette Geschichte von einem verunglückten spanischen Schiff an der nordenglischen Küste, von dem aus wertvolle Merinoschafe an Land geschwommen sein und so die Züchtung des Cheviot Border Schafes gefördert haben sollen, das heute noch für seine hervorragende Wolle berühmt ist.

Als 1751 das Verbot des Exports der Merinoschafe aus Spanien aufgehoben wurde, verbreiteten sie sich rasch in ganz Europa. Die industrielle Tuchweberei und die sog. Schießwolle machten die Schafzucht in großem Rahmen zu einem bedeutenden Industriezweig.

 

Der Vorzug der Schafe lag vor allen Dingen darin, dort zu gedeihen, wo die Bodenqualität für Ackerbau und Viehzucht nicht ausreichte, in kargen Mittelgebirgen und weniger fruchtbaren Steppenlandschaften. Die Erfindung künstlicher Düngemittel eröffnete allerdings später ganz neue Perspektiven, und wie wir wissen, verlor die Schafzucht in Europa weitgehend ihre Bedeutung. Für uns ist an der ganzen Schafgeschichte nur eines interessant:

Wo immer Schafe hingehen, sind ihre Hunde dabei.

 

Man kann davon ausgehen, dass die Hütehunde zur Betreuung großer Herden ebenso alt sind wie die groß angelegte Schafzucht, denn ohne Hunde sind die Herden von Menschen alleine nicht zu kontrollieren. Das bedeutet auch, dass die Herkunft der Hütehunde mit der der Schafe identisch sein dürfte.

Wir haben es mit zwei typischen Schlägen zu tun, den zotthaarigen und den mehr oder weniger langstockhaarigen mit glatt behaartem Gesicht. Beide finden wir heute noch nebeneinander in Spanien.

Wenn man davon ausgeht, dass die ersten feinwolligen Schafe mit den Römern nach England gebracht und dort in großem Rahmen gezüchtet wurden, liegt es nahe, dass die zotthaarigen Hütehunde Englands, der Old English Sheepdog und der Bearded Collie, auf römische Hunde zurückgehen.

 

Dabei fällt auf, dass außer dem Bearded Collie und Bobtail die polnischen, holländischen und portugiesischen zotthaarigen Hütehunde vornehmlich in sandigem Heide-und Steppengebiet lebten. Hier schützte das zottige Fell Augen und Ohren vor wehendem Sand und bildete am Körper einen dichten Schutz gegen extreme Hitze, Kälte und Dornengestrüpp. In feuchtkalten Regionen wie z.B. Skandinavien ist ein solches Fell der Gesundheit eher abträglich. Der Bearded Collie war in früherer Zeit in Schottland bei weitem nicht so langhaarig, sondern sein Fell glich eher dem Rauhaar des Deerhounds, während sich im wärmeren Süden der Insel der üppiger behaarte Typ des späteren Old English Sheepdog erhalten konnte.

 

Der moderne Bearded Collie

 

Der Beardie ist eine uralte Rasse, aber wie alle Hütehunde gehörten sie weder der gebildeten noch er wohlhabenden Schicht, deshalb sammelte niemand Abstammungsnachweise und kein teurer Maler wurde beauftragt, den Liebling des Schäfers zu portraitieren. Deshalb ist über die Zeit vor der Rasseanerkennung wenig zu erfahren.

Der Beardie als anerkannter Rassehund hat eine wahrhaft abenteuerliche Geschichte. Die Rasse wird zwar in der englischen Hundeliteratur es 19. Jahrhunderts erwähnt, es gab aktive Zuchten nach dem 1. Weltkrieg, doch nach dem 2. verlor sich die Spur. Zwar sollte es ihn als Arbeitshund noch vereinzelt geben, aber wer interessierte sich schon für die struppigen Farmerhunde? Dass sie wiederentdeckt wurde und ausgerechnet bei einer Person landeten, die die Mittel besaß, die Rasse groß herauszubringen, ist reiner Zufall.

1944 bestellte sich Mrs. Willison bei einem Vertreter für landwirtschaftlichen Bedarf einen Sheltie, den sie ausbilden wollte. Aus der Kiste krabbelte jedoch ein weiß brauner Strubbelwelpe, ein vermeintlicher Mix, der natürlich bleiben durfte. Als die später berühmte Jeannie vier Monate alt war, begegnete Mrs. Willison einem alten Schäfer, der sofort den Bearded Collie erkannte. Nun begann sie nachzuforschen und setzte für die Wiederbelebung der Rasse alle Hebel in Bewegung. Ihrem Mann gehörte eine Fabrik für Hundebedarf, so dass die Beardies als Testobjekte für Pflege-und Futterzusatzmittel eingesetzt wurden und die Zucht auf professionelle Weise betrieben werden konnte. Mrs. Willison arbeitete mit viel Fleiß, und immer wieder kam ihr der Zufall zu Hilfe, und immer wieder machte das Schicksal einen Strich durch die Rechnung. So z.B. bei einem ersehnten Wurf aus einer nicht zu wiederholenden Paarung. Wie bis in die 70er Jahre immer wieder vorkommend, befand sich in dem Wurf ein einziger Welpe vom Border-Collietyp. Mrs. Willison musste ins Krankenhaus, und als sie nach Hause kam, waren alle Welpen abgegeben worden, nur den Bordertyp hatte man für sie zurückbehalten…Mrs. Willison schaffte es, weitere Züchter zu begeistern, und als sie aus gesundheitlichen Gründen die Zucht in den 60ern aufgeben musste, gingen ihre Hunde an Züchter, und die Rasse hatte die volle Anerkennung geschafft.

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