Ernährungstipps

Einige persönliche Gedanken zur Fütterung

Als ich meinen ersten Collie bekam, gab es noch kein Fertigfutter. Nach ein paar Jahren kam getrocknetes argentinisches Rindfleisch auf den Markt sowie Trockengemüse. Neben den unappetitlichen Chappidosen kam dann Doko in Pelletform heraus, was meine Hunde sehr gerne mochten. Und so allmählich ging auch ich in die Fertigfütterei über, aber ich habe immer dafür gesorgt, dass auch mal was „Schmackhaftes“ wie rohes Fleisch und Knochen auf den Tisch sprich in den Hundenapf kamen.

Bis dahin hat man sich Gedanken um die Ernährung gemacht. Glücklicherweise waren gehackte Leber, Geflügelteile, Pansen usw. preiswert zu bekommen, was einzeln oder zusammen mit dem eingeweichten Gemüse oder Matzingerflocken gefüttert wurde. Meine Hündin wurde 12 Jahre alt und war in Top Kondition, absolvierte noch einen kompletten Schutzdienst, als sie einen tödlichen Unfall hatte. Welpen habe ich grundsätzlich mit Rohfutter aufgezogen und den Besitzern empfohlen, das wenigstens im ersten Jahr bei zu behalten. Damit bin ich sehr gut gefahren. Ich hatte nie Rückmeldungen zu irgendwelchen Krankheiten, Verdauungsstörungen etc.

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass zum Fertigfutter zusätzlich gegebenes Fleisch, insbesondere Muskelfleisch oder Vitamine und dergleichen zu Problemen führten und deshalb immer dazu geraten, sich für das eine oder andere zu entscheiden oder wenn mischen dann jeweils das eine oder das andere, aber niemals beides gemeinsam zu füttern.

Was die Knochen betrifft, so haben meine Hunde immer Knochen bekommen, aber nur unter Aufsicht, weil der Großvater meiner ersten Hündin an einem Markknochen erstickt ist. Der als Suppenknochen kleingesägte Röhrenknochen stülpte sich über Zunge und Unterkiefer, die Zunge wurde dick, der Hund erstickte. War ein Knochen abgefressen, warf ich ihn weg.

1996 flog ich zu Hundefreunden nach Australien, die mir zum Abschied das Buch von Billinghurst „Give your dog a bone“ schenkten. Warum, wird mir immer ein Rätsel bleiben, aber dieses Buch rannte bei mir offene Türen ein. Es bestätigte meine Erfahrungen und erklärte auch, wie es zu dem Knochenunfall kommen konnte. Hände weg von zersägten Knochen, die weder in ihrem Fleisch eingebettet sind noch eine natürlich Form haben. Das kommt natürlich auch auf die Größe des Hundes an und die Art, wie er frisst.

Für mich ist es selbstverständlich, meine alten Erfahrungen wieder anzuwenden.

Es ist gut, dass junge Menschen nach neuen Wegen suchen und sie auch betreten, aber es lohnt sich immer, einen Blick zurück zu werfen und zu hinterfragen, warum hat man das früher so gemacht – und oft steht dahinter sehr viel praktische Erfahrung, auch ohne wissenschaftlichen Beweis. So ist es auch mit dem Futter.

Ich empfehle deshalb von ganzem Herzen einen Hund mit natürlichen Nahrungsmitteln zu ernähren. Ich kann über die Sorge, welches Fleisch denn noch rein sei, nur lachen! Niemand wird wohl annehmen mögen, dass das einzige gesunde, schadstofffreie Rind in die Mühlen der Fertigfutterindustrie gelangt!

Ich bin kein Gegner von Fertigfutter, davon fällt kein Hund tot um. Fanatismus in jeder Richtung widerspricht der Entwicklungsgeschichte des Hundes. Kein Tier ist anpassungsfähiger als der Hund, was seine Ernährung angeht. Sonst wäre es gar nicht möglich, ihn mit industriell hergestelltem, unendlich haltbarem Fertigfutter zu ernähren. Kein Zoo füttert seine Tiere mit derartigen Dingen. Kein Betreiber eines Wolfsgeheges käme auch nur auf die Idee, den Wölfen Fertigfutter zu geben. Dabei wäre das der Werbegeck für die Industrie und eine riesige Erleichterung für die Tierpfleger.

Zu erklären, artgerechtes Rohfutter sei ungesund, ist deshalb eine nicht verantwortliche Schutzbehauptung, wer immer sie auch äußert.

Kürzlich erklärte mir meine Tierärztin, dass ein Hund an Neosporose gestorben sei, weil er rohes Fleisch gefressen habe. Wie er sich tatsächlich infiziert hat, mag dahingestellt sein, wir hatten keine Zeit in Details zu gehen, aber ich kann genau so tote Hunde anführen, in deren Fertigfutter sich ein giftiger Pilz eingenistet hatte. Oder der Chihuahua, der an einem Kuchenkrümel erstickte…

Natürlich gehen wir keine Risiken mit Schweinefleisch ein wegen des Aujeszky Erregers, der tödlich für Hunde ist, obwohl mir von einem langjährigen Hundezüchter, der jahrelang Schlachthofveterinär eines großen Schlachthofes war, versichert wurde, dass die Schlachtungen separat gehalten werden. Und dass ein Bröckchen vom Schwein ein Bröckchen vom Rind berührte und eine tödliche Dosis Erreger abgegeben hat, ist unwahrscheinlicher als ein tödlicher Verkehrsunfall.

Wer es denn möchte, kann sein Fleisch kurz überbrühen, aber keinesfalls durchgaren. Denn das Kochen ruft die chemische Veränderung vor, die es zu vermeiden gilt.

Hundeernährung ist so einfach. Das Geheimnis ist vielseitig! Viele verschiedene Sorten Fleisch, wenig Getreide.

So hörte ich z.B. kürzlich im Fernsehen über den Überlebenskünstler Neandertaler, der weit länger existiert hat als wir, also weder so dumm noch so krank gewesen sein kann….Nach neuesten Forschungen lebte er hauptsächlich von Fleisch, das war seine Überlebensstrategie in der Eiszeit, als er in langen Wintern nur Fleisch zur Verfügung hatte. Nur der Mensch selbst ist anpassungsfähiger als der Hund!  Er bezog seine Vitamine und Mineralstoffe aus der rohen Leber seiner Beutetiere! Getreide kannte er nicht.

Und die Eskimos lebten Jahrtausende nur von rohem Fleisch, Fett, und wir alle kennen die schaurigen Bilder von kleinen Eskimokindern, die begeistert blutige Leberstücke aus den Robben herausschneiden und essen….

Es ist unsere Schuld, dass die Leber als Entgiftungsorgan heute in großen Mengen nicht mehr genossen werden sollte.

Aber sowohl der Neandertaler als auch der Eskimo haben ihr Fleisch roh verzehrt!

Getreide ist auch für den Menschen eine unnatürliche Kost. Der Getreideanbau ist erst wenige Tausend Jahre alt, ein Blinzeln in der Entwicklungsgeschichte des Menschen. Dass Getreide negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat, ist hinlänglich bekannt.

Trotzdem können Hunde sehr gut von Getreide leben. Die Hirten Griechenlands füttern ihre Hunde mit Brot, das eigens für sie gebacken wird. ABER die Hunde bekommen auch alle Rückstände von der Käseherstellung, also die wertvolle Molke, und sie bekommen alle Überreste von verendeten Schafen, Nachgeburten usw. , die der Mensch nicht verzehren kann. Ich habe 13 Jahre alte Hunde – große Hirtenhunde – bei der Arbeit erlebt, die vielleicht etwas langsamer, aber dennoch fit waren und ihrer Aufgabe nachkommen konnten.

Ich möchte gar nicht näher auf unsere Erlebnisse bei der Fütterung von Jagdhunden – Leistungshunden – eingehen. Es würde Ihnen übel! Aber die Hunde waren top fit und wurden alt.

Mein Ernährungstipp ist: Gesunder Menschenverstand, abwechslungsreich, gesunde Tischreste (wir berichteten in der Collie Revue über eine Studie zur Magendrehung, die feststellte, dass Hunde, die Essensreste bekamen, weniger dazu neigten), und möglichst rohes Fleisch und Fleischknochen, wenigstens in Abwechslung mit Fertigfutter, zu geben.

Ich füttere im wesentlichen roh, aber auch Reste wie gekochtes Suppenfleisch, mal was vom Teller (Tortellini mit Spinat sind sehr beliebt), Käse-und Leberwurstanteile von Herrchens Frühstück, je nachdem, was anfällt. Ich bemühe mich beim türkischen Metzger um Lamm und Schlachtabfälle, kaufe  ganze Lebern und verarbeite sie zu Plätzchen oder Leckerchen, wobei ein gut Teil roh und gekocht direkt in den Rachen rutscht. Lebertag ist Freudentag. Wobei ich innigst hoffe, dass die Lebern der Lämmer noch nicht so voller Schadstoffe stecken wie die einer alten Kuh. Geflügelleber mag er nicht. Es gibt oft Hähnchenflügel roh, andere Teile mag er nicht, gelegentlich Gehacktes und billiges Rindfleisch aus dem jeweiligen Angebot der Metro.

Nik frisst nichts, an dem auch nur ein Hauch von Gemüse haftet. Also Hackfleisch mischen mit gesunden Zutaten, is nich….

Gelegentlich gibt es grünen Pansen aus dem Hundeladen. Mag er mal, auch mal nicht. Ich überlasse es ganz ihm.

Wenn im Frühjahr die ersten Maulwurfshaufen nach dem Schnee auftauchen, bedient er sich der mineralstoffreichen Erde unseres nicht chemisch behandelten Gartens. Sobald das sehr Vitamin C-reiche Scharbockskraut aus dem Nichts heraus wieder auftaucht, bedient er sich ausgiebig. Auch sonst nimmt er sehr wählerisch Kräuter und Gräser zu sich. Offenbar reicht ihm das an Grünzeug.

Als Welpe holte er sich die Enteneier aus den Nestern (unserer eigenen Enten!), biss sie auf und fraß sie. Dieses Verhalten hat er abgelegt.

Noch nicht einmal musste ich den Tierarzt wegen einer Erkrankung aufsuchen, Verdauungsstörungen kennen wir nicht. Wenn dünn, dann weiß ich immer, was er vorher gegessen hat und dass es beim nächsten Mal wieder OK ist.

Ich bin immer auf der Suche nach einem Fertigfutter, frei von Konservierungsstoffen und Zuckerrübenzusätzen für die Arbeit mit dem Futterbeutel und auf Reisen. Da ist das Handhaben ungekühlten Fleischs einfach nur ekelhaft, denn wenn es zu sehr stinkt, mag er es auch nicht mehr. Aber nur eine Woche Urlaub mit FF, mal intensiveres Arbeiten mit dem Futterbeutel – und schon setzt er Zahnstein an, der sich aber nach ein paar Tagen üblicher Kost mit Knochen von selbst entfernt. Leider hat er mir im letzten Winter aufgrund von verletzungsbedingter Bewegungseinschränkung sehr zugenommen. Ich hatte, um ihm Abwechslung zu verschaffen, mehr mit dem Futterbeutel gearbeitet. Natürlich bestand er am Abend trotzdem auf seinen Flügeln, so dass mir die Situation tatsächlich entglitten ist und nun 2 kg Abnehmen angesagt sind. Wäre ich konsequent beim Rohfutter geblieben, wäre mir das vermutlich nicht passiert!

Apropos Zahnstein: Das ist keine kosmetische Angelegenheit! Im Zahnstein sitzen gefährliche Bakterien, die den Organismus schwer belasten und zum Tode führen können!

Angst vor BSE, Salmonellen usw.? Habe ich nicht. Ich bemühe mich um einen hygienischen Umgang mit dem Geflügel und kaufe nur solches, das für den menschlichen Verzehr bestimmt ist. BSE lässt sich nicht abkochen. Wenn ich dem nicht mehr vertrauen kann, das ich in der Ladentheke kaufe, so schwer es auch fallen mag, dann muss ich es lassen – nur dann darf ich mir keinen Hund halten, denn wir sind angehalten, unsere Haustiere artgerecht zu halten und zu ernähren.

Hunde sind Aasfresser und Abstauber. Ich könnte mich immer amüsieren, dass gerade die Hunde der empfindlichsten Menschen, die außer sich geraten, wenn der Hund unterwegs Unrat frisst, die kein Frischgeflügel aus Angst vor Salmonellen geben, am wildesten hinter Dreck jeder Art her sind….

Meiner hat als Welpe gelernt, dass ich die Entscheidung treffe. Er frisst sehr wählerisch hie und da ein Gemüsehäppchen vom Pferd (Vorsicht wegen Ivermectinvergiftung bei MDR1 betroffenen Collies) und ist sonst an Unrat nicht weiter interessiert, was ich aber nicht auf Erziehung sondern einfach auf die nicht vorhandene Gier zurückführe.

Soweit meine ganz persönlichen Gedanken zur Ernährung des Hundes.

Für Fragen und Diskussionen bietet sich das Weblog an.

Eva-Maria Krämer

Buchempfehlung: Allergien beim Hund, Dr. med.vet. Vera Biber, 16,95 Euro – erhältlich in unserem Online-Shop oder in englischer Sprache von Billinghurst Grow Your Pups with Bones – ebenfalls in unserem Online-Shop erhältlich.

Die heilige Gesundheit des Hundes, Ernährung, von Tierarzt Thomas Backhaus – ebenfalls im Shop erhältlich.

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