Weihnachtsgeschichte

Unsere Weihnachtsgeschichte….

Braunie war unser letztes von 20 Entchen, fast 14 Jahre alt. Vor zwei Jahren verstarb ihr Bruder, 12 jährig – er schlug noch einmal mit den Flügeln und fiel tot um. Wie würde Braunie ohne ihren Partner auskommen? Wunderbar – wie neu geboren rannte sie im Garten herum, wühlte im Dreck und schien glücklich. Sie war von Anfang an die kleinste, hatte von Geburt an einen leicht lädierten Flügel und hörte sehr früh mit dem Eierlegen auf, was den wilden Dickie allerdings nicht hinderte, sie immer wieder zu bedrängen. Wie alt diese Moschusenten werden, Kennern läuft beim Begriff Barberieente das Wasser im Munde zusammen, weiß niemand so recht, da sie die Schlachtreife normalerweise nicht überleben.

Die Anschaffung unserer Enten war eine spontane Entscheidung – rückblickend nenne ich es Schnapsidee – bei einer Feier im Hause Reinhard, bei der wir im Garten beim Grillen von wunderschönen, aber recht merkwürdigen Wesen neugierig beobachtet wurden. Wir hatten einmal in Norfolk einen Urlaub um einen Tag verlängert, um diese uns unbekannten Wasservögel auf dem Teich des hübschen Hotels zu beobachten. Da wir uns über die Schneckenplage auf unserem neuen Grundstück beklagten kam sofort die grandiose Lösung: Enten! Im Dorf war ein alter Mann verstorben und seine Entenschar wartete nur auf das Ende der Mauser um geschlachtet zu werden. So fanden sich dann rasch Enti und ein wunderbarer wildfarbener Erpel in einer Bananenkiste wieder und reisten nach Seelscheid. Der Erpel entschwand schon bei der Freilassung auf Nimmerwiedersehen, Enti blieb in der Gegend und bezog ihr Gehege, durch das unser kleiner Bach floss, denn Enten wollen schwimmen (außer Moschusenten, die werden nass und gehen unter, wie wir lernen mussten). Da nach Expertenrat eine Ente alleine nicht leben kann, ließen wir uns den blauen Johann aus guter Zucht aus dem Ruhrgebiet schicken.
Natürlich wandte ich mich sofort an den hiesigen Rassegeflügelzuchtverein, weil ich mir dort Rat versprach, doch wurde ich mit meinem “Schlachtgeflügel” abgeschmettert…
Enti legte fleißig Eier und brütete 16 Küken aus, das bedeutete ein neues Entenhaus und die Trennung von einigen Tieren. Ein paar gingen nach Thüringen, ein paar nach Crottorf und von dort aus weiter an alte Colliefreunde mit einem riesigen Geflügelgehege. Ein paar blieben bei uns. Enti und Johann fielen dem Fuchs zum Opfer, der unweit residierte. Einmal sah ich ihn vom Fenster aus, Whity am Rücken gepackt, sie schlug die Flügel über ihm zusammen, ich raus und schrie … auf einmal waren alle weg, keine Ente weit und breit, kein Fuchs… und dann auf einmal sah ich sie – sie hatten sich aufs Dach geflüchtet und auch Whity war dabei. Ich könnte ein Buch schreiben über die Erlebnisse mit unseren Enten, sie erwiesen sich als außerordentlich interessant im Verhalten. So hatte Bennie das Sagen über Kessie, und als Kessie Braunie und ihren Bruder ausbrütete, holte Bennie die frisch geschlüpften Küken ab, die ihr sofort folgten und Kessie fröhlich ihrer Wege ging… Interessant auch, dass jedes Ei vom Erpel kontrolliert und mit leisem Gluckern betastet wurde. Wenn keine Antwort kam – ich versuchte mich mit Kunsteiern – wurde das tote Ei rausgeschubst. Wir beließen es bei dem einmaligen Kindersegen, die beiden letzten waren eigentlich nicht geplant, aber die Eier zu spät weggenommen worden, man konnte das Entchen im Leuchtkasten schon sehen.

So lebte Braunie die letzten Jahre vor sich hin. Wie oft wünschte ich mir, sie würde ebenfalls die Äuglein nach einem langen erfüllten Entenleben schließen. Endlich wieder einmal gemeinsam mit meinem Mann das Haus verlassen können, endlich wieder einmal ausgehen, ohne bei Einbruch der Dunkelheit zu Hause sein zu müssen, um die Ente einzuschließen. Ob man nun ein ganzes Heer von Viechern hat oder nur eines… die Verpflichtung bleibt. Und da unsere Enten genau wussten, wenn sie es mit Fremden zu tun hatten, konnte man auch keinen bitten uns zu vertreten, denn sie konnten alle fliegen, da war nichts mit ins Haus treiben. Als es noch viele waren, verbrachte der Nachbar einmal die halbe Nacht damit mit der Taschenlampe die Enten zu suchen, da er sich immer wieder verzählte und stets eine fehlte. Das war’s dann mit der Nachbarschaftshilfe…

Am 21. Dezember 2010 schlug das Schicksal zu. Am Nachmittag hatte Braunie nach Wochen bei diesem Schneewetter – sie sieht nicht mehr gut und im Schnee gar nichts mehr – das Haus verlassen und war von ihrem “Balkon” gefallen. Mein Mann fing sie ein und brachte sie zurück. Als er bei einbrechender Dunkelheit den Stall schloss, sah er sie nicht, das war aber nicht ungewöhnlich, wenn sie sich im Stroh versteckte.
Am Morgen des 22. sah ich dann die Bescherung. Keine Ente, die ungeduldig aus dem Fenster lugte. Entenspuren im ganzen Garten, eine Blutspur vom Entenhaus bis in den Garten, dort überall Blut, Ententapsen und mitten drin eine Raubtierspur, ich weiß nur nicht was. Braunies Spuren im Garten hatten keine Begleitung um davon auszugehen, dass sie gejagt wurde. Es führte auch keine Spur weg. Offenbar hat die Kleine um ihr Leben gekämpft und ist dabei durch den ganzen Garten gerast. Ich fand eine Spur über den kleinen Bach, den sie überquert hatte, ein Blutströpfchen und ein Federchen…
Ich suchte überall, ohne die geringste Hoffnung eine fast weiße Ente im Schnee zu finden, zumal ich allen Spuren gefolgt war. Ich mochte gar nicht mehr aus dem Fenster schauen, vom Schriebtisch aus habe ich das Entenhaus im Blick. Auf einmal schien mir meine neu gewonnene Freiheit gar nicht mehr so wunderbar, nicht auf diese Weise!

Am 23. Dezember morgens zog ich einen Rolladen hoch und blickte auf den großen Bach, der am Haus vorbei führt und da sehe ich sie sitzen! Unsere Braunie! Nass aber offenbar wohl behalten. Mit Gummistiefeln ausgerüstet stürzte ich mich wagemutig in den Bach. Nach ein paar Fluchtversuchen gelang es mir sie zu packen und in ihr Haus zurück zu bringen! Dem Augenschein nach geht es ihr gut – und wir sind glücklich!

Übrigens – Moschusenten fressen keine Schnecken…

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Ententapsen, Blut und eine Raubtierspur…
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Ententapsen über den Bach, im Bach ein Federchen und ganz rechts Blut…
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Über der grünen Linie saß sie…
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Ente gut alles gut…

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