Reinkarnation

Nikki war ja in jeder Beziehung perfekt und es erstaunt mich immer wieder, wie nahtlos der kleine Sidi in seine Fußstapfen tritt. Sein Verhalten ist inzwischen oftmals genau so wie Niks (und der überraschte mich, dass er genau so im Wesen war wie meine liebe Colliehündin Orissa, was nur den einen Schluss zulässt: Wie der Herr so’s Gescherr?!) Nik hatte EINE Eigenschaft, die mich wütend werden ließ: Kong versenken. Er ging mit seinem geliebten Kong an den Rand von Steilböschungen unserer zahlreichen Bäche und Flüßchen, schaute hinein und machte in Zeitlupe das Maul auf und blub, weg war er. Da Nik wasserscheu war, hüpfte er bellend herum, hol ihn raus, hol ihn raus… und amüsierte sich sichtlich, wenn Jutta und ich auf dem Bauch liegend mit langen Ästen nach der Schlaufe angelten und er dann seinen Kong abrupfen konnte. Oft genug klappte es nicht und als er seinen letzten versenkte war mir klar, dass es sein letzter war. Ein unbeschreiblich trauriges Gefühl. Gestern Sidilein – er geht mit dem Schnurball an die Böschung, schaut hinein, macht das Maul auf und blub, weg ist er. Sidi ist aber flink wie ein Äffchen und nicht wasserscheu, hüpft waghalsig den glitschigen Steilhang entlang, aber er sieht die Schlaufe im Wasser nicht, ade 6 Euro.

Heute ein anderer kleiner Bach, nach dem Regen reißend und tief, Sidi geht hin, schaut hinunter und macht das Maul auf, blub, weg ist er. Anders als Nik erwartet Sidi nicht, dass ich ihn hole, er kann das alles alleine… nur diesmal wird es gefährlich und ich rufe ihn zurück. Ade 6 Euro!

Wir wandern also ball-los weiter, Sidi schlüpft in eine Röhre, die den Bach unter dem Weg durchführt, als mit viel Getöse zwei Hunde aus dem Nichts herangeschossen kommen auf Sidi zu. Er hörte an meinem Pfiff die nahende Gefahr, raus aus der Höhle und  rast auf dem Weg in Richtung Auto, inzwischen höre ich vergebliches Rufen und kreische: machen Sie die Köter fest!, fummele mein Pfefferspray aus der Jacke, wild entschlossen, das große schwarze Vieh zu attackieren, sollte es noch einmal an mir vorbei rennen, denn sie liefen immer wieder ein paar Meter zurück und dann wieder volle Pulle hinter Sidi her. Ich betete, dass er sich unter dem Auto versteckt und nicht weiter auf die Straße rennt. Ich habe nun mal zweimal die Erfahrung machen müssen, dass Hunde zu Tode kamen in Situationen, die niemand erahnen konnte. Doch ich sehe ihn im Unterwuchs abtauchen. Schließlich sind die Biester eingefangen und ich pfeife, und er kommt tatsächlich aus den Brombeeren heraus auf mich zu und freut sich riesig. Da bei uns allgemein keine aggressiven Hunde frei herumlaufen entschließe ich mich, mit ihm den Damen entgegen zu gehen, damit er die Hunde kennen lernen kann und sowas nicht mehr passiert. Ich hocke mich hin und wir lassen die beiden auf uns zukommen, schnuppern und schon hat er raus, die sind nicht gefährlich, freut sich und fängt an mit ihnen zu spielen. Gott sei Dank!

Ähnliches ist mir mit Nik passiert. Eine Hündin bretterte ebenfalls von hinten über den Acker auf uns los, Nik sah sie nur in den Augenwinkeln und war weg. Man kann ja so schnell die Lippen nicht spitzen wie sich ein Whippet aus Hörweite begibt. Er jedenfalls rannte über die Straße und wartete dort auf mich. Nicht jedoch ohne vor der Überquerung gestoppt zu haben und ein Auto hat vorbeifahren lassen, wie mir Passanten erzählten, die das ganze mit offenem Mund beobachteten…

Also: Whippets immer weit genug vor Straßen anleinen, jedenfalls junge unerfahrene Hunde! Man steckt nie drin, was so alles passieren kann.

 

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