Weiße Collies unerwünscht

 

Der Standard des Kennel Club, London, Grundlage für den FCI-Standard, hat ab Dezember 2011 den Passus zur Farbe an den Kurzhaar angepasst: Weiße oder vorherrschend weiße Collies sind höchst unerwünscht.

Im letzten Jahr wurde mir mitgeteilt, dass der Antrag, weiße und weißfaktorierte Collies abzulehnen aus der Schweiz gekommen sei, zunächst aber vom Breed Council und dem Kennel Club abgelehnt wurde. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass sich der KC von einem ausländischen Antrag angeregt fühlte. Die Änderung kam daher für mich recht überraschend. Herzlichen Glückwunsch, dass die Rasse keine weiteren Probleme hat als mehr oder weniger ausgedehnte weiße Flecken im Fell. Bisher war die Bewertung eine Ermessensfrage der Richter, bei der sich in Deutschland bislang nur eine Richterin aus dem Ausland erlaubte, einen Hund mit weißen Flecken im Fell deshalb nicht abzuwerten, was helle Aufregung verursachte. Das wird es demnächst, wenn die FCI den Passus übernimmt, nicht mehr geben.

Es ist mir unverständlich, wie man bei einer Rasse, von der die Zuchtvereine propagieren, dass der Genpool zu eng sei um eine Auslese auf Gendefekte, die die Gesundheit beeinträchtigen KÖNNEN, zu betreiben, in Zuchtbestimmungen einbringen kann, dass Weißträger nicht miteinander verpaart werden dürfen. Für die Verpaarung zweier CEA-genetisch oder MDR1 betroffener Collies sind mir solche Einschränkungen nicht bekannt.

Das ist wieder mal typisch für die Rassehundezucht und niemand soll sich wundern, dass sich Rassehundwelpen bis auf die gerade modischen Rassen, nur noch schwer verkaufen lassen. Sich an Farben oder Haarvarianten aufzuhalten ist angesichts der engen Genpools der Rassehunde einfach nicht mehr tragbar und auch von der FCI nicht erwünscht.

Wem um Himmels Willen schadet ein weiß überzeichneter Collie? Bei den Shelties scheint es diese Probleme nicht zu geben. Hier fallen häufiger Weißschecken und wie mir Züchter berichten, sind sie als erste in Nichtzüchterhand verkauft. Nun würde mich interessieren, wie viel % aller Welpen überhaupt gezüchtet werden, um in Züchterhand zu gehen?  Und welchen praktischen Schaden für die Rasse diejenigen, die sich für die Bekämpfung des Weißfaktors einsetzen, fürchten. Oder könnte man spekulieren, dass bestimmten Zuchtrichtungen Steine in den Weg geworfen werden sollen?

Nun, die britischen Züchter tangiert das nur am Rande. Für die Zucht brauchen sie keine Qualifikation, sie können ungestört mit weißfaktorierten Hunden züchten. Und das ist in der britischen Colliehistorie nichts Neues und keineswegs eine amerikanische Erfindung. Nur der Championtitel dürfte eventuell künftig auftauchenden stark weiß überzeichneten Collies wohl kaum verliehen werden. Bisher hatte sich jedoch die Situation noch nicht ergeben, die Anlass zur Aufnahme des Passus hätte geben können.

Das ganze erinnert mich wieder mal an den Schildbürgerstreich des SV, der die immer wieder vorkommenden weißen Welpen zu bekämpfen suchte, indem er sie einfach nicht anerkannte… heute geht das nicht mehr! Zu viele Freigeister widmen sich der Hundezucht und so kam die Schweiz zu einem Schäferhund… ein zweites Mal machte der SV so einen Fehler nicht und hat nun endlich die Langstockhaars mit Unterwolle akzeptiert. Allerdings dürfen sie nicht mit den anderen verpaart werden, was den Nutzen der Aktion wieder nur kosmetisch erscheinen lässt und im Sinne einer zukunftsorientierten Rassehundezucht ganz daneben liegt.

Aber vielleicht möchte der KC so peu a peu die beiden Standards so weit in den wenigen Wortlauten aneinander angleichen, dass eine Trennung der Haarvarianten in zwei Rassen jeglicher Grundlage entbehrt, und das würde wiederum der derzeitigen Zielsetzung des KC zur Verbesserung der Situation der Rassehundezucht entgegen kommen. Höhere Politik?

Was meinen Sie dazu?

 

6 Kommentare

  1. Behinderungen bei zu hohem Weißanteil. Das Thema finde ich hoch interessant. Behinderungen an Augen und Ohren sind beim Collie bei doppelten Merles bekannt. Deshalb ist die Verpaarung zweier Merles per Gesetz verboten. Leider werden außerhalb der VDH Kontrolle immer noch solche defekten Hunde, oftmals beim Aussie, in die Welt gesetzt, die nicht selten im Tierschutz landen. Was nützen Gesetze, wenn sie nicht umgesetzt werden?

    Aber bei Rassen mit hohem Weißanteil, also gescheckten Hunden, bei denen sich die Farbpartien auf den Kopf beschränken mit manchmal nur kleineren Flecken im Fell – Russell Terrier, Fox Terrier, Whippet usw. kenne ich keine Probleme, die auf die Scheckung zurückzuführen wären. Das wäre genetisch vergleichbar mit den weißen Collies nach US-Standard, die immer einen farbigen Kopf haben müssen.

    Bei anderen Rassen kennt man bei weißen Hunden Hörprobleme, vor allem Hautprobleme. Es gibt aber auch vollkommen weiße Hunde ohne diese Risiken, wie z.B. bei Herdenschutzhunden. Was letztlich eine Rolle bei Gehör und Augen spielt und wie die fehlende Pigmentierung der Haare trotz schwarzen Hautpigments auf das Immunsystem Einfluss nimmt – offenbar der Fall beim Westie mit Hautproblemen, Anfälligkeit für Milben – usw. weiß ich nicht.
    Offenbar gibt es Unterschiede zwischen Weiss und Weiss, d.h. man legt bei manchen Rassen nicht mehr den Wert auf schönes leuchtendes Silberweiss, sondern lässt einen cremefarbenen Stich zu. Im Falle der Herdenschutzhunde dürfte das leuchtend reine Weiss ursprünglich nicht vorhanden gewesen sein, denn frei lebende Schafe sind es auch nicht.
    Ein sehr interessantes Thema, wenn jemand dazu wissenschaftliche Arbeiten kennt, wäre ich für einen Hinweis dankbar.

  2. Scheinbar hat der Collie wohl sonst keine Probleme, wenn man sich auf Äußerlichkeiten wie Haarfarben so versteifen kann…, sonst würde man ja mit gesundem Menschenverstand und zum Wohle der Rasse ganz sicher erst einmal die Gesundheit und genetische Vielfalt verbessern, die uns allen so am Herzen liegt.

    Der FCI-Rassestandard sagt u.a.:

    Zitat:
    “Alle vorgenannten Farben sollten mehr oder weniger die für den Collie typischen weissen Abzeichen aufweisen. Folgende Zeichnung ist vorzuziehen: weisse Halskrause, ganz oder teilweise, weisse Brust, Läufe und Pfoten, weisse Rutenspitze. Eine Blesse darf auf dem Vorgesicht oder auf dem Schädel oder an beiden Stellen vorhanden sein.”

    Man beachte “mehr oder weniger”. Danach sind also u.a. auch weisse Läufe und Pfoten (da steht nichts von “nur weisse Vorderläufe!”) sogar vorzuziehen. Dieser Passus entspricht allerdings sowieso “nur” dem Ideal, während andere Vorschriften fehlen, was denn nun nicht vorzuziehen oder sogar fehlerhaft oder unerwünscht ist.

    Auch fehlt mir jede offizielle Aussage, wie man denn “weissfaktoriert” phänotypisch genau definiert – auch mit “mehr oder weniger” – also eher willkürlich und im jeweils eigenen Ermessen ?

    Nicht weiter schlimm, außer man will etwas verbieten, dann sollte man schon genau feststellen und fixieren können, was denn verboten oder “höchst unerwünscht” ist. Sonst sind die “Schuldigen” ebenso willkürlich wie die Konsequenzen festlegbar.

    Wenn man die Verpaarung weissfaktorierter Hunde verbieten will, dann muss man “Butter bei die Fische tun”: gäbe es einen Gentest für den Weissfaktor diesen zur Auflage machen (und zwar vor Verpaarungen und nicht, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist) oder man muss zumindest doch offiziell fixieren, ab wieviel Prozent oder Quadratzentimeter oder ähnlichen messbaren Werten – hier weisse Haaranteile – etwas als “weissfaktoriert” gültig sein soll.

    Wieviel Quadratzentimeter der Hinterläufe dürfen weiss sein, um nicht phänotypisch als weissfaktoriert zu gelten ?
    Wie breit darf ein weisser Kragen sein – nur Hals bzw. Halswirbelsäule ? Dann haben viele Collies merkwürdige Hälse …

    Merkwürdig, dass man den Weissanteilen so viel Engagement widmet, aber anderen Stellen zu Farben im Standard nicht, denn unerwünschte hell stroh- oder cremefarbene Collies, braune (statt schwarze) Haare bei trico, graue (statt blaue) merles – alles kein Problem. Da darf man ruhig farbenblind sein, aber wenn ein paar weisse Haare da sind, wo sie (angeblich oder vermeintlich…) nicht sein dürfen,
    ist das ein Skandal. In der Schlangen- oder Koizucht sind Farbvarianten und -zeichnungen der Weg zum Reichtum.

    Nicht, dass demnächst noch Leute auf Polycolor am Collie kommen, um die Gene und die Gesundheit solcher Hunde für die Zucht zu erhalten … Vielleicht vererbt sich Polycolor im Haar ja dann sogar ebenso gut wie Kaugummi in den Ohren und gilt ebenfalls nicht als Manipulation ? So lange der Phänotyp stimmt, scheint ja alles in Ordnung … 😉

    Viele Grüße
    Marita

  3. Hallo Frau Krämer,

    wenn so manche Zuchtvereine keine anderen Sorgen haben, weiße und weißfaktorierte Collies nicht zur Zucht zu zulassen fällt mir so langsam nichts mehr ein.
    Da wie schon angeführt der Genpol vor allem im VDH sehr eng ist sollten sich so einige “Verantwortliche” über diese “glorreichen Geistesblitze” sehr GUT nachdenken bevor so etwas
    befürwortet wird.

    MfG
    Annette Filax

  4. Dass dieser Antrag gerade aus der Schweiz kommt, ist schade, verwundert aber angesichts der bisherigen Schweizer Colliezuchtpolitik zu diesem Punkt nicht und zeigt nur, wie unterschiedlich Züchter denken – die einen fortschrittlich und auf “innere Werte” schauend (viele Züchter weißer Schweizer Schäferhunde – in Sachen MDR1-Defekt geradezu vorbildlich), die anderen vordergründigen Dummheiten verhaftet wie der Ablehnung bestimmter Farben bzw. Farbverteilungen (Colliezuchtvereine).
    Dabei heißt es doch: Ein guter Hund hat keine Farbe.

    So wünschenswert die Aufhebung der “Rassentrennung” in Punkto Lang- und Kurzhaarcollie auch ist, der Weg, einen schlechten Punkt innerhalb der Standards anzugleichen, erscheint mir da doch kaum der richtige zu sein. Zudem, wie Angela Harvey (Wicani) auf ihrer Homepage schreibt, sinnvolle Inhalte des Standards des KHC eben NICHT übernommen wurden.
    Außerdem – wenn die Trennung aufgehoben werden soll, dann soll man es eben auch tun. Jetzt und gleich. Je eher, desto besser.

    Viele Grüße,
    Kris

Kommentar hinterlassen