Wie das Leben so spielt – in meiner Aufräumaktion fallen mir 40 Jahre alte Molosser-Magazine in die Hände, und auf einem schaut mich ein vertrautes Gesicht an… wie viele 1000 Hunde mag ich fotografiert haben, manche vergisst man nie.

Seit 1977 recherchierte ich seltene Hunderassen, die ich in einem Buch zusammenführen wollte. Daraus wurde 1990 der KOSMOS Hundeführer, weil ich komplett mit Fotos und persönlichem Kennenlernen der Hunde das fertige Konzept vorstellen konnte.
Einer der Unvergessenen ist Tü Bo. Er wurde 1977 geboren und ich muss ihn noch Ende der 1970er Jahre in Dortmund „erwischt“ haben. Eine Tibetdogge zu finden war wirklich ein Glückstreffer. Die Leute waren sehr nett, aber das Wetter… es goss in Strömen und war stockdunkel. Mit Diafilm ausgestattet, der höchstenfalls 400 ASA brachte wusste ich, dass die Qualität schlecht werden würde. Aber besser als gar nichts… und so nötigte ich die Besitzer – es müsste Familie Boese gewesen sein, mit ihrem Hund ins Freie zu gehen, um uns an Fotos zu versuchen. Tü Bo spielte auch mit, er war noch sehr jung, und wenn ich mich recht erinnere befürchtete man er habe eine Fehlfarbe, denn er war rauchblau mit Brand. Ich fand ihn wunderschön und ob er nun die richtige Farbe hatte oder nicht interessierte mich nicht.
Die miserablen Dias habe ich immer noch… ich wusste, dass sie nie für den Druck reichen würden, aber wegwerfen konnte ich sie auch nicht. Nun mit Photoshop kriegt man noch ein bißchen raus und für’s Internet reicht es allemale… denn immerhin habe ich mit Tü Bo ein Stück Rassegeschichte eingefangen…
Christopher Habig schreibt in seinem Molosser Magazin Heft 9 1/85 folgendes (zusammengefasst):
„In Europa beginnt die Renaissance des Tibet Mastiff 1977: Die Holländer erhalten 4 Hunde aus Indien, nach Deutschland wird Tü-Bo importiert – der nepalesische Rüde des Züchters Singh, der zum Symbol für die europäische Zucht werden sollte. Am 23.4.1979 fällt im Yi-Dam-Zwinger in Deutschland (Boese) der A-Wurf. Über seine Söhne aus diesem A-Wurf ist Tü-Bo, Weltsieger 1979, 1980, und 1981, in fast allen europäischen Ahnentafeln der Tibet Mastiffs vertreten. Als wichtigster Typ-Vererber und als Richtschnur für die europäischen TM-Freunde, hat er sich den zentralen Platz in der jüngeren TM-Geschichte erworben. Ende 1984 wurde der Yi-Dam-Zwinger aufgelöst, die Hunde vom KTR mit viel Engagement einiger seiner Mitglieder und der Hilfe von Freunden übernommen und an ein gutes Zuhause weitervermittelt. Tü-Bo selbst wurde vom Vorsitzenden des KTR, Herrn Hans-Joachim Bracksieck, gekauft und zu einem symbolischen Preis an eine engagierte Zahnärztin bei Hamburg gegeben. Dort erfreut er sich nun bester Verfassung und sorgsamer Pflege.“
Habig schlägt am Ende seines Artikels über die Anfänge in Europa vor, den Namen Tibet Mastiff (Tibet Dogge) durch den tibetischen Namen „Sangh-Khyi“ zu ersetzen… nach FCI-Standard heißt er heute Do-Khyi, englisch nach wie vor Tibetan Mastiff.

Nicht erwähnt hat er die Importe der Familie Nouc, die bereits erfolgreich Lhasa Apso, Tibet Terrier und Deutsche Doggen züchteten. Frau Nouc war nach Tibet auf den Spuren der Hunde gereist, aber es gelang ihr nicht, einen Hund zu importieren. Sie erzählte, dass alle Rüden, die sie antraf, kastriert waren! Ihr im „Unser Rassehund“ veröffentlichter Reisebericht war hoch interessant. Marco Polo hatte ja von „eselsgroßen“ Hunden berichtet, die er auf seinen Reisen gesehen hatte. Zu erklären war das nur damit, dass Kastraten besonders groß wurden, denn letzlich waren sie erstaunt darüber, dass die vier Hunde, die sie aus Amerika importiert hatten (sie waren 1976 und 1977 geboren) viel kleiner als erwartet waren. Leider gibt das Breed Archive nichts über Nachzucht her, möglicherweise hat es nie welche gegeben, weil Habig sie auch nicht erwähnt. Wenn ich mich recht erinnere entwickelte die rote Hündin Aischa eine Demodikose, was wir hier in Deutschland gar nicht kannten und es damals keine Medikamente dagegen gab. Für einen importierten Collie mussten wir mit viel Aufwand und Kosten verbunden Medikamente aus den USA kommen lassen. So weit ich mich erinnere, musste die Hündin letztlich eingeschläfert werden.
Das Molosser Magazin war eine fachlich und von der Gestaltung her herausragende Zeitschrift. Christofer Habig hat schon als sehr junger Mensch in den Molosserrassen weltweit geforscht, Züchter besucht und informationen gesammelt. Diese Broschüren sind wahre kynologische Fundgruben. Dazu noch halb deutsch, halb englisch, um einen weltweiten Leserkreis zu bedienen, denn für den deutschsprachigen Raum alleine hätte sich das nicht gelohnt. In meinem Archiv befinden sich Heft 8 bis 15, die ich eigentlich verkaufen wollte, aber jetzt, nachdem ich noch einmal darin geblättert habe, wird das schwierig,,,

