So geht Rassehundezucht – so muss es sein!

HU 009

Eigentlich müsste der VDH von allen Mitglieds-Zuchtvereine verlangen, die genetische Vielfalt der betreuten Rassen zu dokumentieren und wenn nötig Auskreuzungsprojekte anzugehen. Vor allem nicht nur auf „Qualzuchtmerkmale“ zu schauen – auch scheinbar „gesunde“ Rassen stehen vor dem genetischen Abgrund. Aber aufgrund seiner Struktur und Satzungen, die die Zuchtvereine festlegen, kann der Vorstand des VDH nichts durchsetzen, was nicht von den Zuchtvereinen abgenickt wird. Da die Zuchthoheit ausdrücklich in den Vereinen liegt, hat der Verband keine Chance irgend etwas, das die Gestaltung der Zucht betrifft, durchzusetzen. Aber warum sollte er? Wenn es doch den Rassezuchtvereinen obliegt, sich um das Wohl ihrer Rassen zu kümmern? Da sollte es keiner Forderung von oben bedürfen. Manche Zuchtvereine leisten großartige Arbeit. Aber es gibt leider zu viele uneinsichtige, ewig gestrige Züchter, die nicht sehen wollen. 

Finnen voraus!

Die Finnen beschreiben sehr gut, wie man so etwas angehen sollte – erstmal bei den ähnlichen Rassen schauen, aber offen bleiben für weitere Optionen. Wenn ich mir die Geschichte der Rasse vor Augen führe, dann war der Gründer und maßgebliche Züchter der Flat Coats Mr. Shirley, Begründer des Kennel Club und Begründer der Colliezucht! Wenn man sagt, im Flat fließe Collieblut, ist das nicht weit hergeholt, denn Shirley züchtete ja beide Rassen. Im ausgehenden 19. Jh. gab es die klar abgegrenzten Rassen noch nicht und es war üblich, das was man verbessern wollte, hereinzuholen, egal woher. Ich meine, man merkt dem Flat heute noch den Einfluss des freudigen, intelligenten Arbeitshundes an. Dann wäre z.B. eine interessante Option für den Flat tatsächlich der Welsh Sheepdog, den Shirley – möglichweise mit den sehr ähnlichen irischen Hütehunden – eingesetzt hat und nicht das, was wir heute unter dem Collie verstehen.

Es kommen spannende Zeiten auf uns zu! Schade, das hätte vor 20 Jahren passieren sollen, aber den Stein ins Rollen brachten erst die Möglichkeiten, die Genetik durch Gentests darzustellen und die zum Teil erschreckenden Zustände aufzudecken, die bis dahin niemandem so richtig klar waren. Also – lieber spät als nie…!! 

Immer mehr Zuchtvereine sehen die genetische Katastrophe auf viele Hunderassen zurollen, suchen Alternativen und ergreifen Initiativen. Die Finnen sind uns wie in vielen Dingen ein paar große Schritte voraus. Jedenfalls machen sich nun die Flats ans Werk. Hier ihre Dokumentation:

Flat Coated Retriever Outcross

Hintergrund und genetischer Zweck

Der Finnische Flatcoated Retriever Club hat den historischen Entschluss gefasst, ein nationales Outcross-Projekt zu beginnen. Ziel ist es, aktiv das Immunsystem (MHC-Gene) zu stärken und die Langlebigkeit durch das Einbringen neuer Allele zu erhöhen, dem genetischen Flaschenhals entgegen zu wirken und das Vorkommen erblicher Tumorerkrankungen zu reduzieren. 

Freiwillige Teilnahme

Das Projekt verlässt sich vollkommen auf freiwillige Einbringung der Züchter. Es ist eine Erweiterung der Standardzucht, kein Ersatz.

Erhaltung der Zuchtbasis

Die große Mehrheit wird weiterhin reinrassig gezüchtet. Der Outcross ist ein „genetischer Seitenzweig“ mit dem Zweck, letztendlich nützliches genetisches Material in die breite Population zurückzuführen. 

Das Ziel ist ein „echter“ Flat

Durch sorgfältige Rückkreuzung ist es das Ziel, neue Gene in die Hunde einzubringen, die letztlich den Rassetyp verkörpern, sowohl im Aussehen als auch im Wesen.

Vorgesehene Rassen und künftige Optionen

Die Wahl der „Spenderrassen“ erfolgt mit großer Sorgfalt und Abwägung des gesundheitlichen Gewinns und der Erhaltung von Charakter und Funktion:

Retriever Rassen: in erster Linie werden Arbeitslinien von Labrador und Golden Retriever untersucht, um „will to please“ und „Apportierwille“ zu sichern.

Golden Retriever – Arbeitslinie

Irish Red Setter: Die Rasse wurde als möglicher Kandidat in Erwägung gezogen, hauptsächlich wegen der genetischen Varianz ohne das leichte, athletische, „rassige“ Gebäude zu verlieren.

Irish Red Setter

Offenheit gegenüber weiteren Rassen: Das Projekt ist dynamisch; die Arbeitsgruppe wird ständig auf der Suche sein und weitere Rassen abchecken, die besondere Gesundheitsvorzüge oder genetische Vielfalt einbringen könnten.

Zusammenarbeit mit dem Finnischen Kennel Club

Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit dem Finnischen Kennel Club (Suomen Kennelliitto) durchgeführt.

Offizielles Rahmenwerk

Alle Schritte folgen nationalen Protokollen und jede Verpaarung muss vom Zuchtkommittee des Kennel Clubs genehmigt werden

Das ER-Register

Nachkommen werden offiziell in einem speziellen Register geführt, das vollständige Nachvollziehbarkeit mit der nationalen Datenbank (KoiraNet) ermöglicht.

Auswahlkriterien und Zeitplan

Spenderhunde werden auf einer Dokumentation von Langlebigkeit (10-12 Jahre) in ihrer Abstammung, vorzüglicher Gesundheit und genetischem Profil ausgewählt, die die Schwachpunkte der Flats ausgleichen.

2026: Ernennung einer Expertengruppe

2028: Die ersten F1 Würfe sollen geboren werden

Dieser Bericht beleuchtet einen progressiven Schritt zur Erhaltung der Zukunft der Rasse beruhend auf Transparenz, freiwilliger Mitarbeit  und wissenschaftlicher Methodik. 

Quelle: Facebook Ingemar Borelius/CRUFFA 11.3.26