Die eierlegende Wollmilchsau

Es ist gut, konkrete Vorstellungen vom künftigen Hausgenossen zu haben. Glücklicherweise holen sich angehende Hundebesitzer Rat bei „Experten“, welche Rasse für sie wohl am geeignetsten sei. Rasse deshalb, weil man bei einer Rasse am ehesten einen Rahmen im Verhalten und ziemliche Sicherheit im Aussehen (Größe, Haarkleid etc.) erwarten kann. Doch da geht das Dilemma schon los:

  1. Er soll nicht haaren
  2. Er soll pflegeleicht sein 
  3. Er soll reinlich und geruchlos sein
  4. Er soll freundlich zu Mensch‘ und Tier sein
  5. Er soll geduldig im Umgang mit Kindern sein
  6. Er soll nicht jagen
  7. Er soll leicht zu erziehen sein
  8. Er soll sich eng an seine Menschen binden
  9. Er soll in angemessenem Rahmen Auslauf benötigen
  10. Er soll auch mal oder regelmäßig stundenweise alleine bleiben
  11. Er soll gerne in die Hundepension gehen, wenn man reisen will
  12. Er soll nicht zu viel bellen, aber ein Einbrecherschreck ist schon nicht schlecht 
  13. Er soll ein Leben lang gesund sein – und selbstverständlich keine rassetypischen Erkrankungen mitbringen
  14. Er soll je nach den eigenen sportlichen Ambitionen alles freudig mitmachen

HÄ???

Es ist gut sich zu informieren. Erst einmal muss mir der Typ Hund gefallen, und eine Vorstellung von der Größe ist sinnvoll. Dann schaue ich mir die auf den ersten Blick infrage kommenden Rassen und ihre Menschen persönlich an (Kontakte über Rassezuchtvereine) – dann sagt mir mein Herz ganz schnell – das passt oder auch nicht. Jetzt schalten wir die Vernunft ein und überlegen, welche Bedürfnisse hat solch ein Hund und kann ich sie erfüllen und will ich das auf Dauer. Wer von vorneherein eine Liste an Anforderungen stellt, sollte sich gar kein Lebewesen anschaffen und womöglich einen Kinderwunsch überdenken… 

Viecher machen Dreck (einschl. – ich drücke es mal so drastisch aus: pinkeln, kacken, kotzen) und stellen Ansprüche – alle, ausnahmslos. Jeden Tag, 24×7, auf Jahre hinaus. 

Ein solch wichtiger Schritt sollte gut durchgeplant sein und man nicht von „jetzt gleich per Internet Lieferung am nächsten Tag“ ausgehen. Es macht auch riesigen Spaß sich mit den Dingen vorab auseinander zu setzen, wer die Zeit nicht hat, der hat auch keine Zeit für einen Hund. 

Gut, es gibt Hundefriseure und Hundeschulen, die einen halten den Hund sauber, die anderen sorgen für ein reibungsloses Zusammenleben… falsch! Ja, ein Hundefriseur erleichtert, wenn man es sich leisten kann, ein guter Trainer hilft, und auch den muss man sich leisten können, aber da das Problem selten der Hund sondern eher der Mensch ist, stoßen Hundetrainer oft an ihre Grenzen und alles artet in sehr viel Arbeit, Kosten und Frust aus. 

Kompromisse sind auch hier gefragt, ein Geben und Nehmen – und immer das Wohl des uns ausgelieferten Geschöpfes vor Augen! Es gibt keinen Hund, der alle Wünsche erfüllt… und wir können nicht alle Bedürfnisse eines Hundes erfüllen… aber es gibt sehr viele Dinge, die man mit seinem Hund tun kann und die den Hund glücklich und zufrieden machen – frei nach dem Motto „zufriedener Hund – zufriedener Mensch“. Man muss eben wollen, die Zeit dafür aufbringen und nicht zuletzt die entsprechende körperliche Fitness mitbringen. Von den Kosten mal ganz zu schweigen… 

Ja, Sie kriegen keinen Welpen aus guter Zucht ohne Wartezeit! 

Ja, gute Züchter sind kritisch und wollen wissen, ob ihr Welpe bei Ihnen ein dauerhaft gutes Zuhause haben wird. 

Ja, der wilde Hundehandel und die Massenproduktion mit stets lieferbaren Welpen in allen Varianten gedeihen nur von Leuten, die leichtfertig und vorschnell handeln. Wollen Sie zu diesen Menschen gehören und Wagenladungen voll Welpen aus dem östlichen Ausland per Kofferraum auf einem Parkplatz verhökert, auf einem Markt in Polen billig erstanden, oder seriös getarnte Massenproduzenten fördern? Ganz bestimmt nicht! 

Also stürzen Sie sich in das Abenteuer und – lernen Sie Menschen und ihre Hunde kennen, um dann letztlich den eigenen neuen Hausgenossen auf dem Arm zu haben!