Welpenanalyse – Fit für Zucht und Sport

Puppy Puzzle

Seminar am 24.11.2019 

Vor einigen Jahren schon hatte mich eine Freundin auf das “Puppy Puzzle” aufmerksam gemacht, was mir so gar nichts sagte und da ich “bahnbrechend Neues” immer erst mal gerne mit Abstand betrachte… zu viel habe ich kommen und gehen sehen… dauerte es, bis ich mich dann doch aufraffte, die DVD “Puppy Puzzle” zu kaufen.

Ich war begeistert. Es geht hier um die Beurteilung von Welpen. Das ist ja immer die große Frage – welchen soll man behalten? Irgendeiner sticht von Anfang an ins Auge, ein anderer ist so süß, den nächsten hat man mit viel Liebe hochgepäppelt, der eine hat genau das Merkmal, das man so dringend benötigt…

Da muss ein neutraler Betrachter her, der jeden Welpen emotionslos beurteilt. Aber wie?

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Unerlässlich für die Beurteilung ist der Spiegel

Züchtererfahrung aus den USA

Pat und Bob Hastings aus den USA sind langjährige erfahrene Züchter, Aussteller und Richter verschiedener Rassen und haben für sich dieses System entwickelt, um Fehlentscheidungen zu vermeiden. Es geht dabei nicht in erster Linie um künftige Champions, sondern die Basis eines guten Hundes und wertvollen Zuchthundes: Das gesunde Gebäude. Nicht umsonst wird ein funktionales Gebäude im Englischen als “sound” bezeichnet – gesund. Denn gesund alt werden kann nur ein Hund mit einem ausgewogenen, funktionalen Gebäude. Die züchterische Verantwortung liegt nicht darin, für sich selbst einen künftigen Champion, sondern gesunde, langlebige, lebensfrohe Hunde für ihre Besitzer zu züchten. Schönheit im Sinne von Ausstellungserfolgen oder erfolgreiche Sporthunde sind ein extra Bonus. Beides ist aber nicht zu erreichen, wenn ein Hund strukturelle Mängel hat. Auch ein normal beanspruchter Familienbegleiter kann durch Mängel im Körperbau spätestens im Alter gesundheitliche Probleme bekommen.

Wie man schon beim Welpen solche Mängel erkennen und einordnen kann haben sie mit an die 40.000 Welpen erarbeitet. Ihre Erfahrungen geben sie mit der DVD und auf Vorträgen weiter, um Züchtern und Hundebesitzern bei der Erkennung von Mängeln und Vorzügen zu helfen, Zuchttiere entsprechend zu selektieren.

 

Die Anatomie – Grundlage für alles

Die Anatomie des Hundes unterliegt den Gesetzen von Funktion, Ausdauer und Energieeinsparung. Der Mensch passte den Körperbau bei manchen Rassen z.B. bei den Galoppjägern und Sprintern, also Windhunden, geringfügig – die Betonung liegt auf geringfügig – durch Zuchtauslese an. Klar ist, dass diese Anpassung nur in dem Rahmen erfolgen konnte, die für den Hund gesund ist, um optimale Leistung bei der echten Jagd erbringen zu können.

In der modernen Rassehundezucht haben sich leider in den letzten Jahrzehnten viele Rassen vom eigenen Standard, der vor etwa 100 Jahren erstellt wurde, als die Hunde noch nicht verzüchtet und ihrer ursprünglichen Aufgabe noch nahe waren, weit entfernt. Extrem sehen wir das bei den Gesellschaftshunden, bei denen es nie “Leistungsdruck” gab, aber auch bei ursprünglichen Arbeitshunden, die sogar oftmals in “Show-und Arbeitslinien” eingeteilt werden. So lange schön auch gesund bedeutet, wäre dagegen nichts einzuwenden, aber jegliche Übertreibungen, die die Konstruktion betreffen, sind der Gesundheit der Hunde abträglich. Das ist Fakt und ernährt Heerscharen von Tierärzten!

Deshalb ist es unbedingt empfehlenswert, sich in der Anatomie des Hundes generell, der eigenen Rasse im Speziellen und damit der Gesundheiterhaltung seiner Rasse zu schulen.

 

Welpenanalyse in Europa

Doris Walder und Eva Holderegger-Walser sind beides aktive Züchterinnen und so an die Welpenanalyse gekommen. Sie testeten weit über die Grenzen der Schweiz hinaus Welpen vieler Rassen, um bei den eigenen Hunden die Entwicklung beurteilen zu können. Sie erkannten rasch die Bedeutung für die Rassehundezucht und übersetzten auf Wunsch von Pat Hastings die DVD sehr gut ins Deutsche. Es zeigte sich jedoch, dass es ein großer Vorteil ist, sich bei einem Seminar am lebenden Objekt praktisch schulen zu lassen und so kam es, dass Doris Walder und Eva Holderegger-Walser ihren großen eigenen Erfahrungsschatz mit Interessierten teilen.

Ralf Ohletz konnte die beiden Damen aus der Schweiz für ein Tagesseminar gewinnen. Schon nach kurzer Zeit waren die begrenzten Plätze ausgebucht. Beide Damen vermittelten anschaulich und unterhaltsam die schwierige Materie ausgerichtet auf den Labrador. In zahlreichen Darstellungen und am lebenden Hund erfuhren wir, wie die Ausgewogenheit des Körperbaus, Winkelungen, kuhhessige Hinterhand, Oberlinie, Halslänge usw. schon beim 8 Wochen alten Welpen zu erkennen sind, die auch der erwachsene Hund aufweisen wird und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Leider konnte nur ein Welpe teilnehmen, so dass erwachsene Hunde Modell stehen mussten, so auch Kedira. Manches, das ich von “alten” Züchtern lernen durfte wurde hier bestätigt, begründet und intensiviert. Neue Erkenntnisse und viele wertvolle Tipps kamen hinzu. Am Ende rauchte der Kopf und ich hatte den Eindruck, dass die Teilnehmer tief beeindruckt und angeregt nach Hause gingen. Bemerkenswert ist, dass jeder Teilnehmer die umfangreiche Dokumentation des Vortrages in Form eines farbigen, dicken Buchs ausgehändigt bekam, um zu Hause in Ruhe das ganze verarbeiten zu können.

Wenn ein Welpe von sich aus viel trabt anstatt zu hoppeln und oft frei steht, den Kopf dreht ohne mit dem Körper zu folgen, ist das ein guter Hinweis auf ein ausgewogenes Gebäude.

Das Walsumer Brauhaus war ein idealer Ort für die Veranstaltung, leicht zu erreichen, mit viel Parkplatz und Hunde herzlich willkommen.

Vielen Dank für eine so gelungene Veranstaltung und dass ich mich den Labradorfreunden anschließen durfte. Ich freue mich auf den nächsten Teil, wo es um die Umsetzung der Erkenntnisse um das funktionale Gebäude im Hundesport und in der Zucht geht.

Kontakt und Seminardaten: www.welpenanalyse.com und www.ddwalder.ch

Copyright: Eva-Maria Krämer Fotos: Sabine von Clanner