Vom Collie zum Whippet

Nikkis Geschichte

Wie kommt man als eingefleischte Collieliebhaberin auf einen Whippet?

Beim Besuch bei einer berühmten Colliezüchterin!

Es war 1997 als ich Maria Teresa Garabelli zum ersten Mal besuchte. Es war ein lange gehegter Wunsch, den berühmten Cambianozwinger zu sehen, und dass er mitten in der Toskana liegt, war nicht gerade ein Nachteil. Ich nutzte die CACIB-Schau in Florenz für die Aufnahmen hier selten gesehener und noch unbekannter Rassen, wie z. B. dem damals noch nicht anerkannten Cane Corso und fuhr von dort aus in die Nähe von Pisa. Frau Garabelli hatte mich bei einer Bekannten einquartiert, die auf ihrem kleinen Pferdehof Zimmer vermietete. Neben ausgebildeten Trial-Border Collies, einem Deutschen Schäferhund und Bull Terrier auf dem Hof waren zwei Whippethündinnen ihre ständigen Begleiter.

Über die Liebe zu Windhunden zum Collie

Ich hatte schon seit meiner Kindheit eine Schwäche für Windhunde, und dass ich einen Collie haben durfte, hing mit Windhunden zusammen. Für meine Mutter kam nur ein Barsoi infrage, für meinen Vater nur ein Deutscher Schäferhund, und so schienen für mich die Colliewelpen in der Nachbarschaft der ideale Kompromiss – meine Mutter bekam einen Fast-Barsoi und mein Vater einen Schäferhund, wenn auch einen schottischen – aber das große Los hatte ich gezogen – ich bekam eine Lassie!!

Unser Hausarzt war gerade aus Persien vom Hof des Schahs zurückgekehrt und hatte von dort als Abschiedsgeschenk eine Salukihündin mitgebracht. Sie starb in hohem Alter und Szu Szu war aus Persien nachgeschickt worden. Sie war so alt wie meine Ilka und ich durfte sie auf unseren fest eingezäunten Hundeplatz mitnehmen, weil sie dort frei laufen durfte. Bei diesen Wettrennen schnitt meine Colliehündin gar nicht schlecht ab!

Höhepunkte waren aber die Sonntage, die ich Dr. Cipin und seine Frau zum Windhundtraining begleiten durfte. Und da waren sie, all die herrliche Windhunde – Träume meiner Kindheit. Nur eines war mir schon damals klar, niemals wollte ich einen Hund haben, den ich in freier Natur nicht von der Leine lassen durfte.

Für mich waren diese edlen Geschöpfe wie wertvolles Porzellan oder teurer Schmuck, schön anzuschaun, aber unerreichbar.

Ein lange hundelose Zeit

Nach dem Tod meiner letzten Colliehündin, einem wunderbaren Geschöpf in jeder Beziehung, kam für mich eine lange hundelose Zeit. Mein Mann und ich teilten die Überzeugung, dass ein Hund mehr ist als nur eine Feierabendbeschäftigung und deshalb für uns – beide voll berufstätig – nicht infrage kam.

Endlich wieder ein Hund

Sobald mein Mann seinen Arbeitsplatz nach Hause verlegt hatte und wir ein eigenes Haus mit großem Grundstück bezogen, hatte ich natürlich nichts anderes im Sinn, als wieder einen Hund zu haben.

Aber ein Collie – inzwischen waren meine Erinnerungen verklärt, meine Ansprüche enorm, ich würde stets vergleichen.

Zum anderen kam kein langhaariger Hund mehr infrage, da ich mir geschworen hatte, dass mich mein Hund überall hin begleiten sollte. Ich erinnerte mich noch zu gut an die Schwierigkeiten mit meinen Collies, die wegen ihrer Haare und des Schmutzes, den sie möglicherweise hereintrugen, selten gern gesehen waren. Ein Traum war der Kurzhaarcollie, aber ich konnte einfach keinem Arbeitshund, der mich forderte, gerecht werden.

Das bezaubernde Wesen der Whippets

Doch zurück zu Ljuba und ihren Whippets. Die beiden Hündinnen lebten als einzige frei auf dem Hof, alle anderen Hunde waren eingesperrt oder angebunden. Sie ließen ihr Frauchen nie aus den Augen, ohne ihr am Rockzipfel zu hängen, aber wo Ljuba war, waren ihre Hunde. Wir Besucher waren für sie vollkommen Luft. Nur bei Tisch gewannen wir an Interesse, doch ein einziger Blick von Ljuba genügte und sie verließen den Speisesaal.

Sie duldeten schließlich gnädig, dass ich sie einmal anfassen durfte, und da überraschte mich das seidige Haar, das Gefühl des warmen Körpers, das ich so von den langhaarigen Hunden nicht kannte. Es war wundervoll.

Ljubas großes Grundstück reichte bis in den Wald hinein. Es war nicht eingezäunt, aber die Whippets gingen mit uns nur bis zur Grundstücksgrenze mit und waren nicht dazu zu bringen, auch nur einen Schritt weiter zu gehen.

Keiner dachte daran, alleine loszuwandern, obwohl das Wild ganz dicht herankam.

Die Hunde wirkten stets desinteressiert, ließen sich nie provozieren, faulenzten den ganzen Tag herum. Sie bewegten sich auf eleganten, federnden Beinen eher gemäßigt, waren immer da aber nie im Wege.

Doch wenn Ljuba den Agility-Parcours aufbaute oder die Zugmaschine für den künstlichen Hasen auf der hauseigenen Sandbahn aufstellte, dann sprühten die Hunde voller Lebenslust und Energie und zeigten, was sie konnten. Ich war begeistert.

Wenn Whippets wirklich so waren, dann war das der Hund für mich!

Ausserdem befand ich mich in bester Gesellschaft, Miss Grey, Ladypark Collies, hatte einen Whippet als Haushund, und Tom Purvis, Danvis Collies, schwärmte mit von seinen Whippets vor, die er erfolgreich züchtete. Als ich ihn fragte, was er denn an den Hunden fände, war die Antwort: ihr bezauberndes Wesen.

Das Jahr darauf hatte Ljuba 9 weiß-blaue Welpen. Sie hätte mir sofort einen mitgegeben, aber ich musste ja erst meinen Mann überzeugen, der so gar nicht davon angetan war, einen Hund aufzunehmen, vor allem, weil er ihn ja in meiner Abwesenheit, da noch voll außer Haus berufstätig, betreuen sollte. Doch mein Entschluss stand fest. Jetzt musste ich nur sehen, wo ich einen guten Whippet fand.

Da ich die Betreuung durch einen guten Züchter sehr zu schätzen weiß und aus eigener Erfahrung mit meinen Welpenkäufern wusste, wie wichtig das war, wollte ich lieber einen Hund aus deutscher Zucht haben.

Ich erinnerte mich, vor Jahren interessante Artikel von einer Whippetzüchterin gelesen zu haben, aber sie schien vom Erdboden verschluckt.

Aber irgendwie habe ich sie doch gefunden…

Merkwürdigerweise hat mich die Rasse Whippet aber nie wirklich interessiert. Meine Leidenschaft ist der Collie geblieben.

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