Weiße Collies unerwünscht

Sable headed White

Unglaubliche 12 Jahre ist es her, dass ich diesen Beitrag schrieb. Jetzt kam eine Initiative aus Italien, die das Thema aufgreift und die Züchter darauf aufmerksam macht, dass das Scheckungsgen nicht gefördert werden sollte, weil es der Rassestandard des Mutterlandes ausdrücklich nicht wünscht. Eines ist klar: Es muss niemand Schecken produzieren, da das Scheckungsgen  für “piebald” einwandfrei getestet werden kann und daher niemand “Überraschungen” zu fürchten hat. Wer das “Risiko” dennoch eingeht, wird Welpen haben, die schnell Liebhaber finden, die keine zuchzulassenden Bewertungen bekommen und somit keinen Eingang in die Zucht finden. Wie 99% aller anderen Welpen auch.

Collie - Schecke
Collie piebald

Man mutet den Züchtern ja auch Eigenverantwortung in Bezug auf Gesundheitswerte zu, warum dann der Hype um die Schecken? Für mich ein reines Politikum… denn der Standard wird ohnehin sehr weit interpretiert und ist offenbar nicht immer klar das Maß aller Dinge… Siehe Breed Specific Instructions – Anweisungen an die Richter bei der Beurteilung von Collie Lang-und Kurzhaar:

Langhaariger schottischer Schäferhund (Collie Rough) Kurzhaariger schottischer Schäferhund (Collie Smooth) Achten Sie insbesondere auf folgende Bereiche:
Verhalten

Übermäßige Ängstlichkeit.

Fang

Schmaler Unterkiefer, Fangzahn-Engstand und andere schwerwiegende Fehlstellungen der Fangzähne.

Augen

Sehr kleine, tief liegende Augen.

Bewegung

Relativ ineffiziente Trabaktion.

Ein Collie sollte freundlich veranlagt sein, ohne jegliche Spur von Nervosität oder Aggressivität und sich besonders gut als Begleithund eignen. Er sollte normal entwickelte Kiefer und Zähne aufweisen. Mittelgro- ße Augen mit einem lieblichen Ausdruck sind eines seiner wichtigen Merkmale. Fließenden Bewegungsab- läufen mit starkem Schub kommt eine hohe Bedeutung zu.

Hier der Bericht von 2012:

Der Standard des Kennel Club, London, Grundlage für den FCI-Standard, hat ab Dezember 2011 den Passus zur Farbe an den Kurzhaar angepasst: Weiße oder vorherrschend weiße Collies sind höchst unerwünscht.

Im letzten Jahr wurde mir mitgeteilt, dass der Antrag aus dem Ausland, weiße und weißfaktorierte Collies abzulehnen  vom Breed Council und dem Kennel Club abgelehnt wurde. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass sich der KC von einem ausländischen Antrag angeregt fühlte. Die Änderung kam daher für mich recht überraschend. Herzlichen Glückwunsch, dass die Rasse keine weiteren Probleme hat als mehr oder weniger ausgedehnte weiße Flecken im Fell. Bisher war die Bewertung eine Ermessensfrage der Richter, bei der sich in Deutschland bislang nur eine Richterin aus dem Ausland erlaubte, einen Hund mit weißen Flecken im Fell deshalb nicht abzuwerten, was helle Aufregung verursachte. Das wird es demnächst, wenn die FCI den Passus übernimmt, nicht mehr geben.

Es ist mir unverständlich, wie man bei einer Rasse, von der die Zuchtvereine propagieren, dass der Genpool zu eng sei um eine Auslese auf Gendefekte, die die Gesundheit beeinträchtigen KÖNNEN, zu betreiben, in Zuchtbestimmungen einbringen kann, dass Weißträger nicht miteinander verpaart werden dürfen. Für die Verpaarung zweier CEA-genetisch oder MDR1 betroffener Collies sind mir solche Einschränkungen nicht bekannt.

Das ist wieder mal typisch für die Rassehundezucht und niemand soll sich wundern, dass sich Rassehundwelpen bis auf die gerade modischen Rassen, nur noch schwer verkaufen lassen. Sich an Farben oder Haarvarianten aufzuhalten ist angesichts der engen Genpools der Rassehunde einfach nicht mehr tragbar und auch von der FCI nicht erwünscht.

Wem um Himmels Willen schadet ein weiß überzeichneter Collie? Bei den Shelties scheint es diese Probleme nicht zu geben. Hier fallen häufiger Weißschecken und wie mir Züchter berichten, sind sie als erste in Nichtzüchterhand verkauft. Nun würde mich interessieren, wie viel % aller Welpen überhaupt gezüchtet werden, um in Züchterhand zu gehen?  Und welchen praktischen Schaden für die Rasse diejenigen, die sich für die Bekämpfung des Weißfaktors einsetzen, fürchten. Oder könnte man spekulieren, dass bestimmten Zuchtrichtungen Steine in den Weg geworfen werden sollen?

Nun, die britischen Züchter tangiert das nur am Rande. Für die Zucht brauchen sie keine Qualifikation, sie können ungestört mit weißfaktorierten Hunden züchten. Und das ist in der britischen Colliehistorie nichts Neues und keineswegs eine amerikanische Erfindung. Nur der Championtitel dürfte eventuell künftig auftauchenden stark weiß überzeichneten Collies wohl kaum verliehen werden. Bisher hatte sich jedoch die Situation noch nicht ergeben, die Anlass zur Aufnahme des Passus hätte geben können.

Das ganze erinnert mich wieder mal an den Schildbürgerstreich des SV, der die immer wieder vorkommenden weißen Welpen zu bekämpfen suchte, indem er sie einfach nicht anerkannte… heute geht das nicht mehr! Zu viele Freigeister widmen sich der Hundezucht und so kam die Schweiz zu einem Schäferhund… ein zweites Mal machte der SV so einen Fehler nicht und hat nun endlich die Langstockhaars mit Unterwolle akzeptiert. Allerdings dürfen sie nicht mit den anderen verpaart werden, was den Nutzen der Aktion wieder nur kosmetisch erscheinen lässt und im Sinne einer zukunftsorientierten Rassehundezucht ganz daneben liegt.

Aber vielleicht möchte der KC so peu a peu die beiden Standards so weit in den wenigen Wortlauten aneinander angleichen, dass eine Trennung der Haarvarianten in zwei Rassen jeglicher Grundlage entbehrt, und das würde wiederum der derzeitigen Zielsetzung des KC zur Verbesserung der Situation der Rassehundezucht entgegen kommen. Höhere Politik?

Was meinen Sie dazu?

 

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