Weisse Schäferhunde

Weisse Schäferhunde

Weiße Schäferhunde
Champion von Kron, 1985

Kynologische Rückblicke…

Der Amerikanisch-Canadische Weiße Schäferhund

Champion von Kron, 1985
Amerikanisch-Canadischer Weißer Schäferhund Champion von Kron, 1985

1985 – Ein Besuch, der mir in sehr guter Erinnerung geblieben ist. Ein echtes Stück Rassehistorie. Meine Prophezeiung hat sich bewahrheitet. Jeder kennt fast 40 Jahre später den Weißen Schweizer Schäferhund. Ein kynologisches Glanzstück! Die Hunde gab es, sie waren beliebt, also nahm sich die SKG, der schweizerische Hundezuchtverband der Situation an und tat das einzig Richtige, um die Zucht in vernünftigen Bahnen zu halten, sie erkannte diesen weißen Schäferhund als neue Rasse an. Aber nicht ohne große Schwierigkeiten seitens des damals allmächtigen SV – Verein für Deutsche Schäferhunde, der nicht dazu zu bewegen war, Weiß als Farbvariante aufzunehmen. Ein Fehler, den sie sicherlich bereut haben! Jedenfalls durfte der Standard dieser „neue“ Rasse keinen Hinweis auf den Deutschen enthalten, und weiße Welpen, wie sie heute noch in der Schäferhundezucht geboren werden, nicht in die Zucht der neuen Rasse einfließen. Die SKG setzte sich durch und schuf etwas, das es eigentlich in der Schweiz gar nicht geben kann – einen weißen Schweizer Schäferhund. Nicht umsonst hat die Schweiz keine bodenständigen Hütehunde, denn das von Gebirgen geprägte Land ist ganz den Rindern, in geringerem Maße Ziegen, vorbehalten. Und dafür gab es viele nützliche Hunde – die Schweizer Sennenhunde. Aber jetzt ist es so, 1991 wurde die Rasse in der Schweiz national und 2011 unter der Nummer 347 offiziell als BERGER BLANC SUISSE, WEISSER SCHWEIZER SCHÄFERHUND vom Internationalen Dachverband FCI anerkannt. Und das gleich in den beiden Haararten Stock-und Langhaar, letzteres wurde bis vor kurzem ebenso beim Deutschen Schäferhund ausgeschlossen. Ich vermute mal, man wollte den gleichen Fehler nicht nochmal machen, da sich langhaarige Schäferhunde als sog. „altdeutsche“ außerhalb des Zuchtverbandes etablierten, und erkannte den langhaarigen Schlag an. 

Interessant war noch, dass Martin Faustmann gar nicht bewusst war, dass sie mit ihren US-Importen anerkannte Ahnentafeln des American Kennel Club bekamen. Er interpretierte AKC als Ausbildungskennzeichen. Es spielte für ihn jedoch keine Rolle, da er sein eigenes Zuchtbuch führte. Leider zog man später bei der offiziellen Registrierung im VDH die Ahnentafeln und damit Abstammungsnachweise ein, was zu sehr viel Ärger führte, denn ein Dokument ist ein Dokument, im rechtlichen Sinne spielt da ein Verein keine Rolle. Später einigte man sich, die alten Ahnentafeln auf Wunsch wieder mit den Registrierbescheinigungen zurückzugeben. Leider führte das dazu, dass nur ein Teil der Besitzer bereit war, die Hunde in den VDH umschreiben zu lassen. 2022 wurden knapp 400 Tiere beim VDH eingetragen. 

Aber nun zu meiner Reportage veröffentlicht in DER HUNDEWELT Nr. 8 1985

Zu Besuch bei den amerikanisch-canadischen weißen Schäferhunden „von Ronanke“

Amerikanisch-canadische weiße Schäferhunde — was sind das für Tiere, die in letzter Zeit durch Fernsehen und Presse bekannt wurden? Ich wollte sie mir ansehen und fand beim 1. Züchter dieser Hunde in Deutschland freundliche Aufnahme.

Champion von Kron, 1985

In der blühenden frühsommerlichen Eifel begrüßte mich die Meute im riesigen Freiauslauf schon von weitem. Hier tummelten sich nach Herzenslust Jungtiere und erwachsene Hunde. Aber eine Überraschung erwartete mich noch: Im geräumigen Hundehaus durfte ich zwei Würfe herziger, schneeweißer Hundebabys bewundern.

Martin Faustmann und seine Frau Gertrud sind vernarrt in die weißen Hunde und freuen sich über jeden, der ihre Begeisterung für diese ungewöhnlichen Tiere teilt. Für sie stellen sie die Erfüllung eines Wunschtraumes dar. Martin Faustmann bekam vor Jahren einen kleinen, weißen Schäferhundmischling. Die Mutter war eine reinrassige Schäferhündin, doch der Vater hatte sich nie vorgestellt. „Estro” wuchs zu einem stolzen Rüden heran, der auf’s Haar einem Deutschen Schäferhund glich, nur war er schneeweiß und stellte die Ohren nicht ganz straff auf. Martin Faustmann bildete seinen Hund zum Schutzhund aus, legte mit ihm einige Male die SchH III ab und brachte es sogar mehrmals zum Vereinsmeister. „Estro” war ein wundervoller Hund mit einmaligem Charakter. Dazu das weiße Fell und das kluge Schäferhundegesicht. Als er für „Estro“ einen Nachfolger suchte, kam nur ein Schäferhund üblicher Färbung in Betracht. Wo sollte man auch solch ein Prachtexemplar wie „Estro“ zum zweiten Male auftreiben? Doch so recht glücklich wurde er mit seinen Hunden nicht. Mit irgendeinem Problem hatten sie immer zu kämpfen, und war ein Hund so, wie er ihn sich wünschte, hatte er schwere HD.

Vom Wunschtraum zum Traumhund

Als Martin Faustmann im Jahre 1979 die HUNDEWELT aufschlug, mochte er seinen Augen nicht trauen! Zu einem Artikel waren Hunde abgebildet, die wie sein „Estro“ aussahen — weiße Schäferhunde, allerdings mit guten Ohren. Solch einen Hund musste er wieder haben, vielleicht würde er mit etwas Glück einen zweiten „Estro“ finden. Er setzte sich mit dem Autor in Verbindung, der diese Hunde in den Staaten kennen und lieben gelernt hatte und nun in der Schweiz züchtete. Allerdings mussten die Faustmanns ein ganzes Jahr warten, bis es Nachwuchs gab. Die letzten Ersparnisse wurden zusammengetragen und die Reise in die Schweiz angetreten. Faustmanns waren begeistert. Der kleine „Champion von Kron” wurde sofort in „Estro“ umbenannt und machte seinem Namen alle Ehre, sowohl als Champion als auch als würdiger Nachfolger von „Estro l“.

Heute ist „Estro“ der Star der Zuchtstätte, ein beeindruckend schöner, stolzer Rüde mit viel Ausstrahlung. „Einer ist keiner”, dachten Faustmanns. Keinesfalls wollten sie sich eines Tages wieder auf die Suche nach einem Nachfolger machen müssen. Sie konnten sich ein Leben ohne ihren weißen Schäferhund nicht mehr vorstellen. So reiste „Kron’s Rani von Finn” aus der Schweiz an. „Estro” und „ Rani” wurden die Stammeltern der Zucht dieser Hunde in Deutschland. Um Inzucht zu vermeiden, kaufte Martin Faustmann weitere Zuchttiere in den USA. Damit besitzt er einen gesunden Grundstock für die Weiterzucht. Und das schönste: Der Tierarzt murrt, denn an Faustmanns Hunden gibt es nichts zu verdienen. Er sieht sie nur zu den Impfungen. Alle Hunde werden auf die gefürchtete Hüftgelenksdysplasie geröntgt — bisher gab es nur freie und verdächtige, aber keine nachweislich erkrankten Hunde! Darauf ist der Züchter besonders stolz.

Alles – nur kein Deutscher Schäferhund…??

Allerdings zogen auch Wolken am Züchterhimmel auf. Weiße Schäferhunde? Das gibt’s doch nicht! Für Fachleute in Sachen Deutsche Schäferhunde sind diese Tiere schlichtweg „Fehlfarben”. Martin Faustmann war enttäuscht von seinen Züchterkollegen, denn die Reaktion unbedarfter Hundefreunde war stets voller Begeisterung. Seine Nachforschungen ergaben, dass weiße Schäferhunde bis zum Ursprung der Rasse zurückzuverfolgen sind. Die Farbe spielte beim Schäferhund letztlich nie eine Rolle, denn es war stets die Leistungsfähigkeit, die Vorrang hatte. Paul Strang schreibt in seinem Buch über den Weißen Schäferhund, dass der Großvater des berühmten Stammvaters der Deutschen Schäferhundezucht, Horand von Grafrath, weiß gewesen sei. Deshalb war es nichts Ungewöhnliches, dass unter seinen Nachkommen auch weiße Welpen zu finden waren. Schon sehr früh wurden Deutsche Schäferhunde in die USA exportiert, wo man sich zwar über die weißen Welpen wunderte, sie aber recht interessant fand und mit ihnen weiterzüchtete. Zeitweise waren sie geradezu in Mode und fanden einen breiten Liebhaberkreis, der sich bis heute erhalten hat. Es gibt sogar einen Club für weiße Schäferhunde in Amerika und in Kanada. Vor einigen Jahren verlangte der amerikanische Club für Deutsche Schäferhunde, dass in den USA die „Weißen” ausgeschlossen werden sollten. Sie hatten insoweit Erfolg, als dass man dort weiße Schäferhunde nicht mehr zusammen mit den farbigen Deutschen Schäferhunden ausstellen darf, jedoch bekommen sie offizielle Ahnentafeln vom American Kennel Club (AKC), die überall in der Welt anerkannt werden. In Kanada drohte Ähnliches, doch der Protest der Liebhaber weißer Schäferhunde war so groß, dass der Canadian Kennel Club (CKC) sich nicht anschloss und dort die weißen genauso akzeptiert werden wie bisher.

Kron’s Rani von Finn

Schauerfolge unwichtig – Charakter als Familienhund zählt

Züchter drüben spezialisierten sich schon sehr früh auf die Zucht der weißen Hunde. Deshalb nennt sie Martin Faustmann auch Amerikanisch-Canadische weiße Schäferhunde, weil sie nur dort rein gezüchtet werden. Martin Faustmann gründete den Verein ACWSR e.V. Deutschland und führt ein Spezialzuchtbuch, in das nur solche Hunde eingetragen werden, die ihre Abstammung unmittelbar auf die amerikanisch-canadische weiße Zucht zurückführen. Weiße Zufallsprodukte anderer Zuchten nimmt er nicht auf. Wie unterscheiden sich diese Hunde vom Deutschen Schäferhund? Grundsätzlich gilt für sie der Standard für Deutsche Schäferhunde, doch die Zuchtrichtung dürfte ziemlich anders verlaufen sein als hier. In den USA brauchen diese Hunde keine Schutzhundprüfung zur Zuchtzulassung. Eine besondere Auslese auf Kampftrieb gab es nicht. Da die weißen Schäferhunde ohnehin im Ausstellungsring keine großen Chancen auf Spitzenplätze hatten, blieben sie immer etwas abseits der Modetrends. Sowohl wesensmäßig als auch vom äußeren Erscheinungsbild her dürften diese weißen Schäferhunde einem früheren Schlag der einheimischen Schäferhunde, aus denen der Deutsche Schäferhund herausgezüchtet wurde, nahekommen.

Martin Faustmann sucht bei seinen Hunden ein gutes, harmonisches Gebäude ohne Extreme. Im Wesen sind seine Hunde umgänglich, ausgesprochen gutmütig, kinderlieb und ohne Falsch. Fremden gegenüber sind sie misstrauisch, aber nicht scheu oder aggressiv, nach näherem Kennenlernen eher freundlich und aufgeschlossen. Diese Hunde sind ausgesprochen wachsam und durchaus verteidigungsbereit, wenn ungebetene Gäste auf das Grundstück kommen. Sie besitzen natürlichen Schutztrieb, auf den Verlass ist.

Einige Besitzer von Hunden aus Faustmanns Zucht arbeiten mit ihren Vierbeinern auf Hundesportplätzen und sind sehr zufrieden mit der Veranlagung ihrer Tiere. Besonders gut sind sie in der Nasenarbeit, und ein Hund wird im Zolldienst eingesetzt.

Mir haben die Hunde gefallen, und ich bin sicher, dass wir bald öfter amerikanisch-canadische weiße Schäferhunde im Straßenbild zu sehen bekommen werden, denn das Interesse ist groß. Faustmanns geben sich jedoch sehr viel Mühe, ihre Welpen nur an Leute abzugeben, die mit einem großen, intelligenten und lebhaften Hund umgehen können und bereit sind, sich mit ihm zu beschäftigen. Die kleinen weißen Plüschbärchen sind nicht billig, aber das Besondere war schon immer etwas teurer. Und etwas Besonderes sind diese Hunde zweifellos. 

Info

Weiß oder nicht weiß?

Die weiße Fellfarbe beim Deutschen Schäferhund bzw. Berger Blanc Suisse beruht nicht auf einem Scheckungsgen wie z.B. beim Fox Terrier und nicht auf Albinismus, sondern auf der Aufhellung von Pigmentzellen (Phäomelanin). Die Zucht mit weißen Tieren bringt keine gesundheitlichen Nachteile. Es sind Pigmentzellen vorhanden, das Nasenpigment ist regelmäßig begrenzt, die sog. Wechselnase – im Sommer dunkel im Winter hell – kommt häufig vor und die Haut ist dunkel. Gelbliche Haarpigmentierung vor allem an Ohren und Rückenlinie ist möglich. (Quelle: Dr. Anna Laukner, Die Genetik der Fellfarben beim Hund, Kynos Verlag). „Schwache gelbliche oder lohfarbene Schattierung an Ohrspitzen, Rücken und Oberseite der Rute“ gilt im Rassestandard als Fehler. Bei anderen Rassen hat die Selektion auf silbernes Weiß ohne diese gelblichen Tönungen offenbar zu unerwünschten Erscheinungen geführt und wurde aufgegeben, z.B. Samojede, der inzwischen einige wenige Bisquit-Abzeichen haben darf, oder beim Kuvasz, den man einst auch silberweiß wünschte und der Standard „elfenbeinfarben“ erlaubt. 

Copyright: Eva-Maria Krämer: Eva-Maria Krämer

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